Aktion scharf gegen Punktehandel
Das deutsche Kraftfahrtbundesamt [KBA] will verstärkt gegen den so genannten Punktehandel im Internet vorgehen.
In Deutschland existiert ein Punktesystem, das je nach Schwere der Verkehrsübertretung Führerscheinbesitzern Strafpunkte aufbrummt. Ab einer gewissen Anzahl wird der Führerschein eingezogen.
Vor allem in Auktionshäusern und Diskussionsforen bieten Personen gegen Bares an, die Punkte auf sich zu nehmen. Der Freikauf vom drohenden Führerscheinentzug fand schnell eine begeisterte Anhängerschaft, die Preise pro Punkt pendelten zwischen 150 und 300 Euro.
60 Fälle weitergeleitet
Wie viele der illegalen Deals bei eBay & Co tatsächlich zu Stande
gekommen sind, weiß niemand. Das Kraftfahrtbundesamt [KBA] in
Flensburg, Hüter der gefürchteten Punktekonten, hat in einer
Gegenoffensive etwa 60 aus dem Netz gefischte Verdachtsfälle an die
Staatsanwaltschaft Cottbus weitergeleitet.
EbaySchweres Delikt
In Flensburg ist man zufrieden mit den ersten Erfolgen der offensiven Öffentlichkeitsarbeit und lobt die betroffenen Internet-Marktplätze eBay und ricardo: "Wir haben dort besten Unterstützungswillen gefunden", sagt KBA-Vizepräsident Ekhard Zinke. Die Sperren und Löschungen der Marktplatz-Polizei seien effektiv gewesen: "In der Hochphase hatten wir dreistellige Zahlen einschlägiger Angebote. Das ist drastisch zurückgegangen."
Die erwischten Punktehändler müssen sich auf unerfreuliche Verfahren einrichten. Die Staatsanwaltschaft am eBay-Rechnerstandort Cottbus ist in einer ersten rechtlichen Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, dass sowohl Verkehrssünder als auch Punkteübernehmer eines schweren Delikts beschuldigt werden könnten:
Die Klarnamen der Punktesünder wollen sich die Ermittler bei den Online-Marktplätzen holen. EBay-Sprecher Joachim M. Guentert sichert die volle Kooperation im Rahmen der geltenden Gesetze zu - ein richterlicher Beschluss darf es da schon sein zur Herausgabe der Nutzerdaten.
Dass damit das Punktegeschäft komplett gestoppt sein könnte, glaubt aber keiner der Beteiligten. Schon immer, schreibt ein Internet-Surfer in einem einschlägigen Chat, ist die Masche mit dem anderen Fahrer über Bekannte und Familienangehörige gelaufen. Der eigentlich einfache Vergleich zwischen den Fotos aus den Radaranlagen und denen der angeblichen Fahrer findet nach Einschätzung von Insidern bestenfalls stichprobenartig statt
