SMS ist liebstes Feature der Kids
Mit der Nachfolgegeneration MMS [Multimedia Message Service] versuchen die Mobilfunkbetreiber den Erfolg des Short Message Service [SMS] zu verlängern.
In einer aktuellen Studie wurde nun der Frage nachgegangen, warum die Kurznachrichten vor allem bei jugendlichen Handybenutzern derart beliebt sind: 89 Prozent der jugendlichen Handybenutzer [im Alter zwischen zehn und 14 Jahren] nutzen SMS als regelmäßiges Kommunikationsmittel.
Einer der Hauptgründe sei der Kostenfaktor, so die Studie des Marktforschers Sensor. Daneben werden auch die Geschwindigkeit, der Spaßfaktor und die Überlegenheit beim Umgang mit dem Medium gegenüber den Eltern von den befragten Jugendlichen angeführt.
Die von der mobilkom austria dieses Frühjahr in Auftrag gegebene Studie wurde im Rahmen der Veranstaltung "Roundabout Kids" im Zoom-Kindermuseum vorgestellt, bei der Pädagogen und Wissenschaftler über die "Faszination SMS" diskutierten.
Mobilkom austriaSMS als Weg des geringsten Widerstands
SMS werde gerne als Mittel zur Kommunikation von Peinlichem oder Unangenehmem genutzt. Vor allem bei der Beziehung zum anderen Geschlecht gebe SMS Mut, Liebeserklärungen und Flirtsprüche abzusenden, so das Studienergebnis.
Als letzten Grund nannten die Kinder laut Studie die Kurznachricht als "Weg des geringsten Widerstandes", da die Nachricht verschickt werden kann, ohne mit einer direkten Reaktion des anderen rechnen zu müssen.
Die Leiterin der Studie, Daniele Heininger, sieht in den Kurzmitteilungen eine Hilfestellung für Pubertierende bei der Überwindung von Hemmungen. Eine SMS mit den Buchstaben "ILD" zu senden sei einfacher, als persönlich "ich liebe dich" zu sagen, so Heininger.
Joachim Höflich, Kommunikationswissenschaftler an der Universität Erfurt, sieht in den Liebes-SMS die Struktur der Liebesbriefchen, die sich Jugendliche in der Zeit vor SMS zugesteckt haben.
Starke emotionale Bindung ans Handy
In einer dreijährigen Studie haben britische Forscher
herausgefunden, wie stark die gefühlsmäßige Beziehung des Besitzers
zu seinem Handy ist. Dabei gab die große Mehrheit der Befragten an,
sie könnten sich ein Leben ohne Handy nicht mehr vorstellen. Einige
gingen so weit, dass sie den Verlust des bimmelnden Begleiters sogar
mit einem Trauerfall verglichen.
Handy ist für Mehrheit unentbehrlichEmanzipation per Kurzmitteilung
Zudem ermögliche SMS auch eine Emanzipation von den Erwachsenen. Das Handy sei das erste eigene Medium der persönlichen, zwischenmenschlichen Kommunikation, das ein Kind habe, ist Höflich überzeugt. Es schaffe Freiräume und erlaube Kommunikation an den Eltern vorbei.
Die "Machtgeografie" einer Familie werde damit vor eine neue Aufgabe gestellt. Erwachsene müssen eine neue Medienkompetenz entwickeln, wenngleich sie die SMS-Kultur der Kinder mit Abkürzungen und Emoticons erst zeitverzögert erfassen, so Höflich weiter.
Im Schulalltag würden die Kinder und Jugendlichen mit dem Handy relativ verantwortungsbewusst umgehen. Vor allem Jüngere würden das Handy bereits auf dem Weg zur Schule abschalten, so die Studie.
Kein digitaler Schummelzettel
"Der gute alte Schummelzettel wird allerdings in nächster Zeit nicht vom SMS abgelöst werden. Besonders die jüngeren Kinder können sich das Schummeln mit dem Handy gar nicht vorstellen", so Heininger.
