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Steve und Bill trinken einen Kaffee

NETZTEILE
01.08.2009

Es läuft ja nicht gar so gut bei den Microsoftens. Sage und schreibe nur noch ein paar Milliarden Dollar kommen pro Quartal auf das hauseigene, stahlstützenbewehrte Girokonto. Zeit für Steve Ballmer, sich auf einen synthetischen Kaffee mit Bill Gates zu treffen und ihm vor der Sommerpause alles zu gestehen.

Sommerserie ab 8. August

Mit dieser Kolumne verabschiedet sich Harald Taglinger in die wohlverdiente Sommerpause. Ab kommendem Samstag gibt es an dieser Stelle eine Serie von Peter Glaser über digitale Trichtergrammophone zu lesen.

In Seattle Downtown, gleich hinter dem Fischmarkt, steht ein altes Cafe, das inzwischen zu Tausenden weltweit nachgebaut worden ist. Und gleich hinter dem Eingang, über dem das Logo einer barbusigen Meeresjungfrau thront, saßen neulich zwei etwas gedrückt dreinschauende Herren bei aufgeschäumter Milch. Der eine kommt gerade aus Afrika, wo er gegen die Not der Welt und die Ideen seiner Gattin kämpft. Der andere hetzt gerade zickzack von Redmond über Bellevue zum Treffpunkt, weil er bleich den Quartalsbericht zusammengeschrieben hat und ihn nun dem anderen vorlegen muss.

"Setz dich, oder kannst du das auch nicht?" Der eine, sonnengebräunt und mit einer Brille auf dem Schädel, die ihn wie Bill Gates aussehen lässt, ist scheinbar leicht gereizt. Der andere, eigentlich ein Bulle von Mann, mit der typischen Kopfform aus der Familie Ballmer und manchmal etwas lautstark, huscht kleinlaut auf die Holzbank. Er nippt an einer kalten Tasse Kaffee.

Ja, das sei diesesmal nicht so gut gelaufen. Dem anderen schäumt prustend vor Lachen die Milch in seinem Mund neu auf. Ja, das könnte man so sagen. Die ersten halb verhungerten Programmierer hätten schon an seiner Haustür geklopft und angeboten, gegen Essen Windows neu zu installieren. Andauernd wollten neue Freunde in Facebook kostenloses Office von ihm. Google mache das ja auch. Deshalb sei er jetzt raus.

"A-aber wir haben uns Windows 7 ausgedacht!" Eine unglaubliche Stille folgt diesem Satz. Der Gehetzte legt vorsichtig die Hand auf die Schulter des leicht spröde wirkenden Firmenchefs. "Die müssen alle updaten. Das wird der Hammer."

Was denn dieses "7" so könne? Aha, Dateien, Wireless, mit der Maus. Fan-tas-tisch. Das sei natürlich die Rettung. Vermutlich ein so großes Ding wie dieses Bing. Täglich mit neuen Fotos drauf. "Und buuuunt." Man glaubt, einen leicht zynischen Unterton aus den Worten des Bebrillten herauszuhören. Und auch der versuchte Scherz "Leichter als Vista und genialer als MSN" kann der Glatze beim Mann aus Afrika keine Bonuspunkte sichern. Ein spontaner Schlag auf den Hinterkopf des Großen lässt diesen in Heulen ausbrechen.

"Nächstes Quartal will ich wieder Umsatz sehen, ist das klar?" Der Protest erstickt im Keim. "Finanzkrise gibt es in Afrika auch nicht. Frag Melinda." Dann trinkt der Bebrillte energisch aus, verlässt das Nebenzimmer und kauft sich zur Entspannung auf dem Markt nebenan noch ein Dutzend Lachse. Er wird ihnen die Freiheit schenken. Egal ob die nun tot sind oder nicht.

Zurück bleibt ein leicht melancholischer CEO einer langsam der Mittelständigkeit zustrebenden Kleinrechnerfirma. Und er sitzt noch lange da und spielt sinnierend mit seinem privaten iPhone.

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(Harald Taglinger)