"Download-Markt im Experimentierstadium"
Seit etwas mehr als einem Jahr bietet der Wiener Filmverleih Filmladen im Internet Film-Downloads an. Nun soll das Service ausgebaut werden. In Österreich befinde sich der Markt noch im Experimentierstadium, meint Cornelia Dür, die bei Filmladen für den Download-Shop verantwortlich ist.
"Wir bieten einmal an und schauen, was geht", meint Dür. Seit Mai 2008 verkauft der Wiener Filmverleih, der auch das Votivkino betreibt und DVD-Reihen anbietet, Film-Downloads im Netz. Derzeit hat der Filmladen Online Shop rund 100 Titel im Angebot, vorwiegend aus dem Arthaus-Bereich.
Neben österreichischen Produktionen wie "We Feed the World", "Darwin's Nightmare" und "Die Fälscher" stehen auch zahlreiche kleinere europäische Filme zum Download bereit. "Wir möchten uns ähnlich dem Programm unseres Verleihs und unserer Kinos auch im Netz aufstellen", so Dür. "Mainstream-Filme sind nicht unser Markt."
Zwischen fünf und zehn Euro pro Film
Die Filme kosten durchschnittlich rund sechs Euro und können in unterschiedlichen Qualitäts- und Komprimierungsstufen ("klassisches" DVD-Format, DivX, HD 720p und HD 1080p) heruntergeladen und auch auf DVD gebrannt werden. Für Windows-Nutzer steht ein Download-Client bereit, Nutzer anderer Betriebssysteme können die Filme via FTP (File Transfer Protocol) auf ihre Computer transferieren.
Digitaler Fingerabdruck statt Kopierschutz
Auf Kopierschutz wird beim Filmladen-Shop verzichtet, dafür werden die Files mit einem digitalen Fingerabdruck versehen. Damit soll die unautorisierte Verbreitung der Filme nachverfolgt werden können.
"Das war der kleinste Nenner, um Sicherheit hineinzubringen", so Dür. "Für uns war es wichtig, ein Sicherheitsargument zu haben, um die Produzenten zu überzeugen und gleichzeitig die Kunden nicht zu überfordern oder sie technologisch in eine Richtung zu drängen."
"Probedurchlauf"
Das erste Jahr sei eher ein "Probedurchlauf" gewesen und habe wichtige Erkenntnisse über den Filmverkauf im Netz gebracht, so Dür: "Die Crux bei Film-Downloads ist, dass hierzulande noch niemand weiß, wer die Kunden sind und was man für Downloads verlangen kann." Es seien relativ viele Kundenrückmeldungen gekommen: "Das war für uns sehr aufschlussreich. Wir haben aber auch viele Leermeter abgespult."
Bisher zählt der Online-Shop rund 1.000 Kunden. Angaben über verkaufte Titel will Dür keine machen. Nur so viel: "Die Zahlen sind im Vergleich zu den DVD-Verkäufen auf jeden Fall ausbaufähig."
Vor kurzem erhielt der Filmladen eine weitere Förderung von der Wiener Kreativwirtschaftsförderstelle departure. Damit soll nun das Angebot erweitert und auch stärker beworben werden.
"White Label"-Lösung
Die Entwicklung der technologischen Lösung für den Online-Shop wurde von der EU gefördert und soll auch anderen Verleihern und Partnern als "White Label"-Lösung angeboten werden. "Die Technologie kann einfach auf Partnerseiten eingebunden werden", erläutert Dür. Interesse gebe es sowohl aus Deutschland als auch aus Österreich.
Daneben will der Filmladen auch semiprofessionellen Produzenten, deren Filme nicht ins Kino kommen und auch keine DVD-Verwertung schaffen, eine Vertriebsplattform bieten. "Ein Dokumentarfilm über die Hummelpopulation in Niederösterreich interessiert nur ein gewisses Publikumssegment", meint Dür. "Das lässt sich mit Downloads gut erreichen."
Nischenfilme als Topseller
Während Downloads von Filmen wie "Die Fälscher" vergleichsweise wenig nachgefragt werden, weil Interessierte sie schon im Kino oder auf DVD gesehen haben, seien solche kleinen, semiprofessionellen Filme im Filmladen-Online-Shop kurzzeitig Bestseller, weiß Dür: "Diese sehr speziellen Anbieter bringen ihr Publikum mit."
Wann Filme zum Download bereitstehen, sei Diskussionssache mit den Produzenten. "Üblicherweise haben wir nach dem DVD-Start ein Fenster von sechs Monaten." Für kleinere Produktionen, die nur mit wenigen Kopien ins Kino kommen, könnten sich aus früheren Download-Veröffentlichungen jedoch durchaus Möglichkeiten ergeben.
Dass Film-Downloads zulasten des Kinobesuchs gehen, glaubt Dür nicht. Downloads seien ein zusätzliches Angebot, das ein ganz anderes Publikum anspreche: "Wir glauben nicht, dass der klassische Votiv-Kino-Besucher Filme herunterlädt."
Spärliches Angebot in Österreich
Obwohl lizenzierte Film-Downloads international bereits seit Jahren angeboten werden, sind entsprechende Angebote in Österreich nach wie vor rar. Ein Online-Filmshop von Warner Brothers, der im Mai 2006 eröffnet wurde, verschwand bereits nach kurzer Zeit sang- und klanglos wieder von der Bildfläche. Seit Mai dieses Jahres bietet das Start-up Flimmit Streams und Downloads von Langfilmen an.
Internationale Angebote wie iTunes verkaufen hierzulande zwar Musikvideos. Spielfilme, Dokus und TV-Serien sucht man im österreichischen iTunes Store hingegen vergeblich. Das liegt auch daran, dass bei Film-Downloads die Rechte in den meisten Fällen pro Land vergeben werden. Der vergleichsweise kleine österreichische Markt dürfte vielen internationalen Anbietern nicht attraktiv genug sein. Der Zulauf zu Online-Tauschbörsen, die keine regionalen Begrenzungen kennen, sollte daher nicht verwundern.
Rechte "schwieriges Thema"
Die Rechte seien ein schwieriges Thema, meint Dür. Für einige Titel hatte der Filmladen, der seit vier Jahren auch DVDs anbietet, die Download-Rechte zum DVD-Vertrieb bereits miterworben. Bei anderen müssen sie extra akquiriert werden. Manche Titel dürften nur in Österreich verkauft werden, andere in mehreren Ländern. "Wo wir dürfen, bieten wir weltweit an", so Dür.
In die Schaffung von Download-Angeboten müsse viel investiert werden, sieht Dür einen weiteren Grund für das spärliche Angebot in Österreich. Es gebe hierzulande aber auch noch eine "gewisse Hemmschwelle" gegenüber Download-Angeboten.
(futurezone/Patrick Dax)
