© Bild: Poken, Poken

Poken: Spielzeug zum sozialen Netzwerken

WEB-2.0-GADGET
16.07.2009

Mit einem neuen Web-2.0-Spielzeug aus der Schweiz namens Poken lassen sich in der realen Welt digitale Visitenkarten mit Links zu Sozialen Netzwerken austauschen. Durch die auffälligen Figuren soll der Poken künftig neben Business-Anwendern auch junge, private Nutzer ansprechen. ORF.at sprach mit dem Schweizer Unternehmen über die Zukunft der neuen Visitenkarten.

Mit dem Poken brachte das Schweizer Start-up Poken S. A. aus Lausanne im Jänner 2009 ein Gadget auf den Markt, mit dem es einen ähnlichen Hype wie 1997 das Tamagotchi auslösen möchte. Das Plastikei entwickelte sich damals auf der ganzen Welt zum Kult.

In Österreich ist der Poken allerdings noch so bekannt wie in den frühen 1980er Jahren das Fax, lediglich geschätzte hundert "Early Adopters" der Social-Media-Branche besitzen einen. "Keiner hat damals ein Faxgerät gehabt, also hat man niemanden eines schicken können. Genauso ist das im Moment mit dem Poken", meint Luca Hammer, ein österreichischer Social-Media-Aktivist und Technikchef der BlogWerkstatt.

Am Donnerstag findet in Wien ab 19.00 Uhr die erste Poken-Veranstaltung in Österreich statt. Diese wird von Bloegger zusammen mit dem Wirtschaftsbund organisiert.

Schlüsselanhänger mit Mikrocontroller

Das könnte sich freilich bald ändern, da sich der Poken durchaus zum Sozialen Netzwerken in der realen Welt eignet und die Papiervisitenkarte überflüssig macht. Das derzeit in verschiedenen Farben und Charakteren erhältliche Gadget ist eine Art Schlüsselanhänger aus Plastik mit eingebautem Radiofrequenz-Funkchip, der mit anderen Poken kommunizieren kann, sobald man die Geräte nah zueinander hält.

"Die Mikrocontroller haben jeweils eine Hardware-ID, die verschlüsselt ausgetauscht wird, wenn zwei Personen ihre Geräte zusammenführen," erklärt Ayman van Bregt, der für die Akquise bei Poken zuständig ist, gegenüber ORF.at. Es wird dabei keine Information über den Nutzer am Poken selbst gespeichert, der Datenschutz bleibt somit aufrecht. Bei erfolgreicher Kommunikation der beiden Poken, die binnen weniger Sekunden erfolgt, leuchtet ein grünes Licht auf.

Digitale Visitenkarte mit Sozialen Netzwerken

Der Nutzer muss den Poken zuerst via USB an den Computer anschließen und sich anschließend auf der Website von Poken einloggen, um auf die per Chip ausgetauschten Kontakte zugreifen zu können. Sobald der Nutzer eingeloggt ist, werden ihm automatisch die neuen Kontakte angezeigt, die entweder angenommen oder abgelehnt werden können.

Die digitale Visitenkarte zeigt unter anderem die Links zu diversen Profilen in Sozialen Netzwerken an. Wenn man nicht jedem neuen Kontakt gleich sein privates Facebook-Profil offenbaren möchte, kann man mit dem Poken auch ein zweite Visitenkarte, die weniger Informationen enthält, oder eine "Ghostcard" ohne jegliche Informationen anlegen. Diese lässt sich per doppelten Knopfdruck am Poken aktivieren und man hat 30 Sekunden Zeit, um die zwei Poken zusammenzuführen.

"Wir wollen das innere Kind in einem ansprechen"

"Dieses System ist noch verbesserungswürdig. Auch die Website ist derzeit noch etwas kompliziert zu bedienen und die Figuren sind zwar witzig, wirken aber nicht gerade seriös. Da könnte man noch einiges ändern", meint Hammer, der Poken bereits getestet hat und regelmäßig verwendet. Warum das junge Unternehmen allerdings zuerst auf lustige Charaktere wie Bienen, Vampire und Geishas statt auf neutrale Business-Poken setzt, liegt auf der Hand: "Über diese Designs spricht man. Aber wir wollen damit auch das Kind ansprechen, das im Inneren jedes Erwachsenen schlummert", erzählt Van Bregt.

Business-Poken mit USB-Speicher

Für die nahe Zukunft plant das Schweizer Start-up die Einführung von weniger verspielt aussehenden Business-Poken, die zusätzlich als zwei Gigabyte USB-Stick nutzbar und nicht mehr auf 64 Kontakte limitiert sein werden. "Im Business-Bereich ergibt so ein Poken wirklich Sinn. Da kann er etwa auch zum Start eines Gesprächs verwendet werden", gibt sich Andreas Klinger, der sich seit Jahren mit Internet-Trends beschäftigt, überzeugt.

Auch Hammer glaubt, dass sich der Poken vor allem bei Firmen-Events und Konferenzen durchsetzen könnte. "Ob der Poken den Sprung in den Massenmarkt schafft, würde ich derzeit eher bezweifeln." Van Bregt will sich im Gespräch mit ORF.at nicht auf die rein berufliche Nutzung von Poken festlegen: "Wir versuchen es jetzt erst einmal in beiden Feldern."

Die Entwicklung des Pokens dauerte etwa ein Jahr. Die Idee stammt vom in der Schweiz lebenden Kanadier und Unternehmensgründer Stephane Doutriaux, der den ersten Prototypen selbst konstruierte.

Die Poken werden laut Van Bregt auf jedem Kontinent der Welt vertrieben, in Japan und den Niederlanden sind sie bereits besonders beliebt, so der Hersteller.

Programmierschnittstelle geplant

Das Unternehmen meldete auf seine proprietäre Technologie bereits ein Patent an. Van Bregt wollte dazu allerdings gegenüber ORF.at keine weiteren Auskünfte erteilen. Poken möchte sich allerdings anderen Entwicklern gegenüber - zumindest teilweise - öffnen. Eine Programmierschnittstelle (API) befindet sich derzeit in der Betatestphase.

Mit dieser wäre es in Zukunft etwa möglich, dass sich Nutzer direkt über Facebook Connect einloggen könnten und dazu nicht mehr die Poken-Website benutzen müssten.

Da Soziale Netzwerke wie Facebook aber jederzeit ihre Nutzungsbestimmungen ändern können, versucht man bei Poken gerade, eine Lösung zu finden, wie man mit den sensiblen Daten der Poken-Nutzer umgehen kann, ohne diese zu verärgern oder die eigenen Nutzungsbedingungen zu verletzen. "Wir sind derzeit noch auf der Suche nach einer Lösung, die legal ist und sowohl die kommerziellen Interessen als auch die Anliegen der Nutzer beinhaltet", so Van Bregt.

Das Schweizer Unternehmen Poken S. A. wurde erst im Dezember 2008 offiziell gegründet. Derzeit arbeiten 25 Mitarbeiter in zwei Büros für die Firma. Neben Lausanne in der Schweiz gibt es auch noch ein Büro in San Franicsco, USA. Letzten Freitag gewann des Unternehmen die Trophäe für das beste "Real World Device" bei den Techcrunch Europe Awards.

Auch ein Poken-Hub sei geplant, der etwa in Konferenzzentren implementiert werden könnte, erzählt Van Bregt. "Wenn man seinen Poken beim Reingehen an den Hub hält, könnte etwa per Twitter eine Nachricht verschickt werden, dass man gerade das Konferenzzentrum betreten hat", erklärt Van Bregt und ergänzt den Ansatz: "Auch Verlosungen unter den Poken-Besitzern wären auf diesem Weg möglich."

Smartphone-Anwendungen als Konkurrenz?

Nicht alle Social-Media-Experten aus Österreich sind von einem dauerhaften Erfolg des Poken überzeugt: "Diese Funktion gehört eigentlich ins Mobiltelefon, das sollte ein Kernfeature von jedem Smartphone sein", meint Klinger, der auch auf die iPhone-Anwendung Bump verweist, mit der sich digitale Visitenkarten über zwei iPhones austauschen lassen.

Die Verbindung von zwei iPhones erfolgt, wenn man die Hände mit den darin befindlichen Geräten zusammenstößt. Dazu wird eine aktive Verbindung mit dem Internet benötigt, da die iPhone-Daten dabei zum Bump-Server geschickt werden. Die Anwendung soll auch für Android und BlackBerry-Geräte veröffentlicht werden. "In spätestens einem Jahr gibt es sicherlich einen gemeinsamen Standard oder eine Anwendung, die weit verbreitet sein wird", meint Klinger.

"Ja, seit es Bluetooth gibt, tauschen Leute digitale Business-Cards aus", bestätigt Van Bregt, "Es gibt auch andere Anwendungen und Technologien, aber da sind die Barrieren für viele Anwender oft zu groß. Wir versuchen, mit dem Poken auch den menschlichen Faktor miteinzubeziehen", so Van Bregt von Poken.

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(futurezone/Barbara Wimmer)