© Bild: Sony, Sony Walkman aus dem Jahre 1979

Sony kämpft um das Erbe des Walkmans

MUSIK
01.07.2009

Im Juli vor 30 Jahren wurde erstmals Sonys Kassetten-Walkman verkauft. Das tragbare Gerät zum Musikhören war damals mehr als innovativ. Im digitalen Zeitalter kann Sony allerdings kaum noch mit der Konkurrenz mithalten.

Am 1. Juli 1979 wurde der tragbare Walkman namens "TPS-L2" von Sony zum Abspielen von Kassetten erstmals verkauft. Sony-Techniker hatten das Gerät auf Wunsch des Sony-Mitbegründers Masaru Ibuka aus einem Diktiergerät entwickelt, der es auf seine Geschäftsreisen mitnehmen wollte.

Ein "Pressman", so bezeichnete man das Sony-Diktiergerät damals, wurde binnen vier Tagen umgebaut und mit Kopfhörern versehen. Diese galten damals als nicht sehr schick und wurden von der Bevölkerung oft mit Schwerhörigkeit assoziiert. Daher gab es selbst bei Sony große Bedenken, ob sich das Produkt überhaupt verkaufen würde.

385 Millionen verkaufte Geräte

Der "TPS-L2" war relativ groß, wog 390 Gramm und kostete bei seiner Einführung 340 US-Dollar. Trotzdem entwickelte sich der tragbare Player rasch zum Verkaufsschlager. Mehr als 385 Millionen Geräte wurden seither verkauft. Der Begriff Walkman wurde zum Synonym für tragbare Musikgeräte.

In den 90er Jahren lösten zuerst tragbare CD-Spieler (Discman) den Walkman ab, heute führen MP3-Player unumstritten die Verkaufscharts an. Sony stieg relativ spät in den Markt der digitalen Musikplayer ein, konnte aber bei den Mobiltelefonen mit Walkman-Handys punkten, die MP3-Dateien abspielen konnten. Seit dem ersten Modell im Jahr 2005 verkauften sich die Musikhandys von Sony über 100 Millionen Mal.

Imageschaden durch Rootkit

Im selben Jahr löste allerdings der Musikkonzern Sony BMG einen größeren Imageschaden aus: 2005 wurden mehrere Millionen CDs in den US-Handel gebracht, die mit Rootkits verseucht waren. Die Extended Copy Protection (XCP) und MediaMax installierten sich automatisch auf den Rechnern, zusammen mit einem Rootkit. Dadurch wurde das Kopieren von Musik am Rechner eingeschränkt - und nebenbei wurden auch noch marktforschungsrelevante Daten der Kunden an Sony geschickt. Der Schaden für das Unternehmen war enorm.

Große Verluste und harte Konkurrenz

Sony hat am 30. Geburtstag des Walkmans nicht viel zu lachen: Der Unternehmensverlust im letzten Jahr betrug 1,02 Milliarden Dollar. Apples iPod ist außerdem auf dem besten Weg, dne Walkman einzuholen: 210 Millionen iPods wurden seit der Einführung am 23. Oktober 2001 vor fast acht Jahren verkauft. Apple hatte nicht nur aus technischer Sicht den richtigen Riecher, auch das Design des iPod stieß bei den Kunden auf große Zustimmung.

Analysten glauben, dass Sony gegen den Hauptkonkurrenten Apple nur schwer eine Chance hat: "Die Kluft zwischen dem Walkman und dem iPod ist definitiv gewachsen. Es wird für Sony sehr schwierig werden, diese wieder zu schließen", meint Kazuharu Miura, ein Analyst aus Tokio. Miura ist der Meinung, dass Sony derzeit vor allem mit der PlayStation 3 und der PlayStation Portable hervorstechende Geräte auf dem Markt hat.

"Stück für Stück weiterverkaufen"

Sony hofft, dass das Gerät "nicht bald nur als Teil der Geschichte" betrachtet wird. "Alles, was wir tun können, ist, unseren Walkman weiter zu verkaufen, Stück für Stück", sagte Yuki Kobayashi, Unternehmenssprecherin von Sony.

Mehr zum Thema:

(AP/futurezone)