Kulturflatrate und Selbstregulierung

Ö1
26.06.2009

"Matrix" über Alternativen zur totalen Netzkontrolle

Am Sonntag hören Sie um 22.30 Uhr im Ö1-Netzkulturmagazin "matrix" Beiträge zu folgenden Themen:

Schwerpunkt Kulturflatrate

Seit Jahren tobt rund um Tauschbörsen im Internet ein Kampf. Für Filesharer bieten Netzwerke wie KaZaA, BitTorrent und Gnutella Zugang zu einer breiten Auswahl an Musik, Filmen und Videospielen.

Die Film- und Musikindustrie sieht in den Tauschbörsennutzern hingegen Piraten, die auf das Urheberrecht pfeifen, weil sie sich im Netz kostenlos Kulturgüter unter den Nagel reißen - obwohl Tauschbörsennutzer erwiesenermaßen weitaus mehr Musik kaufen als der Durchschnitt. Klagen gegen Tauschbörsen und Kriminalisierungsstrategien führten bisher allerdings nicht zu einer höheren Moral der Nutzer.

Auf der Suche nach neuen Modellen, wie Kreative und Rechteinhaber in Zukunft ihre Einnahmen sichern können, wird deshalb in letzter Zeit der Ruf nach einer Kulturflatrate immer lauter. Die Idee: Internet-Provider heben eine zusätzliche monatliche Pauschale ein, und die User dürfen nach Herzenslust herunterladen - ganz legal. Wie die Kulturflatrate funktionieren könnte, erläutert der deutsche Medienwissenschaftler Volker Grassmuck in einem Beitrag von Anna Masoner. Welche Feldversuche es in Sachen Kulturflatrate bereits gibt, hat sich Janko Röttgers u. a. auf der Isle of Man angesehen.

Code statt Gesetze

Das World Wide Web ist ein dezentrales, unorganisiertes und Staatsgrenzen überschreitendes Netzwerk aus sehr unterschiedlichen Anbietern und Nutzern von Diensten und Inhalten. Um die "dunkle Seite" dieses Netzes, nämlich Urheberrechtsverletzungen, Spam, Schadprogramme und andere böse Dinge, zu bekämpfen, haben Gesetzgeber und Firmen immer wieder versucht, traditionelle Regulierungen des "realen" Lebens auf das "virtuelle" Leben anzuwenden.

Der Erfolg war immer nur von kurzer Dauer, die Regulierungen wurden meist rasch umgangen oder ignoriert. Erfolgreicher scheinen Maßnahmen nach den Gesetzen des Webs selbst zu sein: Intervention durch Code und Selbstregulierung durch die Macht der Masse. Sonja Bettel berichtet über erste Beispiele.

(matrix)