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Wiedergeboren dank Facebook

NETZTEILE
20.06.2009

Schon blöd, wenn man Hans Meier heißt und keine Vanity-URL bei Facebook bekommen hat. Will man sich wirklich "Hans_Meier" oder "HansMeier_8798" nennen? Da hilft nur eins: sich auf "Steve Jobs" oder "Steve Ballmer" umtaufen lassen.

Wir sind alle Individuen im Netz. Deshalb tut es uns so weh, zu sehen, dass es weltweit außer uns noch weitere acht Milliarden Stars gibt. Das wiederum mag der Grund dafür sein, weshalb sich sich viele von uns auf Facebook und anderen Social Networks präsentieren müssen. Und weil sich solche Services in der Hochphase von Web 2.0 so zufällig wie ein Butterbrotpapier im Mülleimer entfalteten, gab zum Beispiel Facebook bisher eine scheinbar wahllose Buchstabenkombination als Webadresse für jedes einzelne Profil an.

Das war am Anfang nicht wichtig, das ließ sich ein Programmierer einfallen lassen, der das Konzept "Freunde" nur vom Hörensagen kennt. Aber nun ist es eine so weltbewegende Nachricht wie die von der Copy&Paste-Funktion im neuen iPhone OS 3.0. Vergangenes Wochenende schlitterte die Welt wenige Millimeter aus den Angeln. Denn plötzlich darf man eitel sein und seinen Namen hinter http://www.facebook.com/ schreiben. Natürlich habe ich das auch sofort gemacht.

Wie sollten wir sonst unsere Existenz der Welt mitteilen? Sie kann sich ja ohne dieses Wissen nicht mehr weiterdrehen. Das mag auf den ersten Blick eitel erscheinen, aber wären wir nicht dieser Überzeugung, würde das Internet nur voller Betriebsanleitungen und leerer Inhaltsverzeichnisse sein. Und es gäbe keine Mode, keine Schmuckindustrie, nicht einmal jemanden, der Türschilder herstellt und vertreibt.

Aber während manche ihre Namen nicht einmal auf Diddl-Tassen und gefälschten Autokennzeichen finden, sind andere mit einer Verwechselbarkeit geschlagen, die sich spätestens jetzt rächt. Da hatte damals Tauftante Berta noch so eindringlich für den Vornamen Epimachus gekämpft. Aber nein, der Sohn musste Hans heißen, und nun war Hans Meier eben zu langsam, um eine Vanity-URL bei Facebook zu ergattern. Und nun kann ein bebrillter Zeitgenosse den vielleicht häufigsten Namen in Österreich, Deutschland und der Schweiz besetzen. Und niemand wird ihm den streitig machen. Höchstens abkaufen.

Aus allzu naheliegenden Gründen darf vielleicht darauf hingewiesen werden, dass weder Bill Gates noch Steve Jobs bisher auf diese Weise in Facebook zu erreichen sind.

Andere Prominente dagegen haben mehrere persönliche Profile, so wie ein eher unbekannter US-Präsident, der auch bei simpler Eingabe von Barack den richtigen Messias anzeigt. Das haben wir dann gelernt und gleich eine Stufe unter Obama angewendet, aber beim lieben Gott ist genauso Ebbe wie beim lieben Gott.

Allerdings hat sich durch die Eingabe des garstigen Wortes Jehova meiner Meinung nach jene Frage dank Facebook nun endlich gelöst, wen man sich unter einem lieben Gott vorzustellen habe:

Der Typ ist irgendwo um die zwanzig, feiert gerne, sieht aus wie ein Lehramtsstudent und hat gerne komatös herniedersinkende Frauen um sich. Die Bibelversion gefiel mir besser. Vielleicht ist das mit der Vanity-URL doch keine so gute Idee, oder alles auch nur ein technisches Versehen.

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(Harald Taglinger)