© Günter Hack/ORF.at, Europaflagge

Kreativ sein ohne Cash

EU
07.06.2009

Obwohl die Initiative des Europäischen Jahrs der Kreativität und Innovation offiziell ohne eigenes Budget auskommen muss, bemühen sich die Mitgliedsländer, dem Motto gerecht zu werden. In Österreich sammelt man Ideen für bessere Schulen und fördert den Bürgerjournalismus.

Für 2009 hat die EU das Jahr der Kreativität und Innovation ausgerufen. EU-Jahre haben grundsätzlich den Sinn, in der Bevölkerung ein Bewusstsein für ein bestimmtes Thema zu schaffen.

Kreativität und Innovation - in diesen beiden Begriffen hat so ziemlich alles Platz, was man sich ausdenken kann. Ein wenig beliebig mutet es an, das Thema des Jahres. Kreativ und innovativ sind wir doch sowieso - und wenn nicht, dann geben wir uns zumindest den Anschein. Und dafür reicht es oft schon, ein wenig IT und Web 2.0 einzubauen - schon ist das Ganze innovativ. Kreativ ist fast alles, was auch nur ein wenig anders als das völlig Alltägliche ist.

Am Sonntag in "matrix"

Außer dem Beitrag zum EU-Kreativitätsjahr bringt das Ö1-Netzkulturmagazin "matrix" am Sonntag um 22.30 Uhr ein Interview mit Christopher Poole alias "moot", dem Gründer des berüchtigten Messageboards 4chan.

Mit Kreativität gegen die Krise

In offiziellen Dokumenten hört sich das anders an: "Kreativität und Innovation tragen sowohl zu wirtschaftlichem Wohlstand als auch zum gesellschaftlichen und individuellen Wohlbefinden bei", heißt es da. Bildung ist ein Schwerpunkt dieses EU-Jahres. Außerdem natürlich Forschung, Kunst und Kultur im engeren Sinn und - wie immer zentral - die Wirtschaft. Dieser soll das Ganze ja letztendlich zugutekommen, auf dass sie sich schneller von der Krise erhole.

Als das Jahresthema beschlossen wurde, war von der Krise allerdings noch wenig zu sehen. In den offiziellen Texten zum Thema wird auch immer wieder betont, dass es um die Rolle von Kreativität und Innovation als Schlüsselkompetenzen für persönliche, soziale und wirtschaftliche Entwicklungen (in dieser Reihenfolge!) gehe. Folgerichtig ist auf EU-Ebene die Generaldirektion Bildung und Kultur der Europäischen Kommission für die Durchführung des Europäischen Jahres der Kreativität und Innovation 2009 zuständig - in Zusammenarbeit mit der Generaldirektion Unternehmen und Industrie.

Stilecht: Kreativität ohne Budget

Das EU-Jahr 2009 hat aber unter einem großen (angeblich nicht krisenbedingten) Manko zu leiden: Es gibt - im Gegensatz zu den bisherigen Themenjahren - kein spezifisches Budget dafür. "Wir haben kein Geld, also müssen wir kreativ werden", kommentierte Jan Figel, EU-Kommissar für Bildung, Kultur und Jugend, das launig. Die Kreativität besteht darin, dass in diesem Jahr fast alle EU-Programme ihren Themenschwerpunkt in den Ausschreibungen auf das Jahresthema gesetzt haben.

Konkret wurde bisher eine Vielzahl von mehr oder weniger kreativ-innovativen nationalen Websites online gestellt. Von den Koordinatoren in Deutschland wurde sogar eine eigene Xing-Gruppe zum EU-Jahr gegründet, die immerhin 160 Mitglieder und gut 200 Artikel umfasst. Die deutsche Website mag zwar ein wenig bemüht wirken, sie wird aber wesentlich mehr der Thematik gerecht als das österreichische Pendant des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur, das doch eher amtlich als kreativ anmutet.

Projekt für Bürgermedien

Neben den Websites gibt es eine noch größere Vielzahl von Konferenzen, Tagungen und Ausstellungen zum Thema. Außerdem wurden natürlich diverse Broschüren gedruckt.

Eine davon trägt den Titel "Kreativität und Innovation - Erfolgsrezepte von EU-Programmen". Hier werden 35 EU-Projekte aus den letzten Jahren vorgestellt, die sich in irgendeiner Form als kreativ und/oder innovativ erwiesen haben.

Das einzige Projekt unter österreichischer Leitung in der "Erfolgsrezept"-Broschüre ist die "UnConference Civilmedia". Diese internationale "Open Access"-Konferenz wird kollektiv im Netz vor- und nachbereitet. Die Salzburger "Radiofabrik" wird diese Veranstaltung heuer bereits zum dritten Mal mit Finanzierung aus dem EU-Programm "Europa für Bürgerinnen und Bürger" durchführen. Thema in diesem Jahr, wie könnte es anders sein: Kreativität und Innovation.

Schöpferisch in der Schule

In Österreich liegt der Fokus der vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur koordinierten Aktivitäten zum EU-Jahr 2009 klar auf der schulischen Bildung - genauer gesagt dem Bildungssystem. Aus durchaus nachvollziehbaren Gründen hat das Ministerium in diesem Jahr großes Interesse daran herauszufinden, wie das Schulsystem innoviert werden könnte. "Wie kommt das Neue ins System" heißt dementsprechend eine Dialogreihe mit abschließender internationaler Enquete und einem Festival. Geplant ist diese Reihe für Oktober.

(matrix/Eva Schmidhuber)