Sollen sie doch Internet essen!
Laut einer aktuellen Umfrage aus den Vereinigten Staaten finden die dortigen Fluggäste das Vorhandensein eines Internet-Anschlusses auf dem Airport wichtiger als die Möglichkeit, dort Nahrungsmittel kaufen zu können. Auch wir können jederzeit mit dem Internet aufhören, wenn wir nur wollen.
Klar können wir jederzeit aufhören. Sogar im Urlaub. Wir brauchen es nicht. Wenn also jemand kommen würde und uns die Maus wegnähme, würden wir sagen "Ha!", würden wir sagen: "Das ist doch gar nichts, meine Hand zittert zufällig, und ich kann jederzeit wieder eine Zeitung lesen, wenn ich nur will." Und: "Internet kann gar nicht süchtig machen, weil da nämlich kein schwarzer Balken irgendeines Gesundheitsministeriums irgendwas einrahmt."
Nun gibt es aber diese Umfrage: 47 Prozent der Befragten haben den Netzzugang zu Websites und den eigenen Mails in einer Umfrage amerikanischer Airlines als die wichtigste Einrichtung auf Flughäfen bezeichnet. Was dagegen die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln angeht, so waren nur 30 Prozent von deren Notwendigkeit überzeugt. 67 Prozent wiederum fanden leere Akkus in der Wartezone problematisch. Nur wenige einen leeren Magen. Was lernen wir daraus?
Gut, das waren alles Menschen mit Anzügen und drei Handys gleichzeitig am Ohr, die hier geantwortet haben. Das kann man natürlich nicht verallgemeinern. Nur Manager können nie aufhören, wir hingegen schon (siehe oben). Und wir lernen, dass in den Vereinigten Staaten nur wenige Menschen einen leeren Magen zu haben scheinen. Manchen sieht man das an, aber wir wollten ja nicht verallgemeinern.
Das Web verfolgt uns ohnehin schon in alle Ritzen. Und wenn erst einmal das allumfassende Web auf uns zukommt, dann weiß man auch gar nicht mehr, wieso man überhaupt noch offline gehen soll.
Wie gesagt, wir könnten jederzeit aufhören. Aber wir brauchen das bald nicht mehr, denn die Vorstellung von 3-D-Meetings lässt uns bald eher fragen: Wollen wir nicht lieber vorher mit dem Fliegen aufhören? Oder mit dem sinnlosen Herumfressen in Schwechat? Wozu nochim dortigen Sexshop einkaufen, wenn vereinzelt im Internet schon Pornografie gesichtet worden sein soll?
Wir könnten, aber ... dann kommen doch immer wieder schöne neue Services auf den Markt wie dieser direkte Upload unserer Webcam-Bilder für Twitter, und dann sagen wir uns: Bleiben wir zu Hause, schonen wir die Umwelt, essen wir was, schauen wir lieber der Nachbarin auf dem Balkon beim Sonnen zu und übertragen das live in die Welt.
Aufhören ist nächsten Sommer angesagt. Dieses Jahr noch nicht.
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(Harald Taglinger)
