Koreas Angriff auf MySpace und Co.
Das koreanische Social-Networking-Portal Cyworld schielt auf den US-Markt und glaubt, dass dort neben MySpace, Facebook und Co. noch Platz für weitere Anbieter ist. 2007 wird der Wettbewerb in dem Sektor auf jeden Fall neu angekurbelt.
Social Networking war 2006 ein großes Thema und damit auch das Portal MySpace, das seit seiner Gründung vor rund drei Jahren eine extreme Erfolgsgeschichte hingelegt hat. Über 140 Millionen Nutzer und die Übernahme durch Rupert Murdochs News Corp haben gezeigt, dass das Knüpfen virtueller Kontakte den Zeitgeist voll und ganz trifft.
Das Portal findet immer mehr Nachahmer und nach Konkurrenten aus den USA, wie etwa Facebook, will es nun auch eine koreanische Community-Site mit MySpace aufnehmen, wie die "Financial Times" berichtet.
Angriff aus Asien
Das im Besitz der SK Telecom befindliche Cyworld wurde bereits vor sieben Jahren gegründet und erfreut sich im Internet-affinen Korea großer Beliebtheit: Rund 90 Prozent der Unter-20-Jährigen sollen Cyworld-Mitglieder sein, auch in China sind schon 3,5 Millionen Nutzer online.
Jeder registrierte Nutzer unterhält dort ein virtuelles Wohnzimmer, das so genannte "Minihompy", das nach dem persönlichen Geschmack ausgestattet werden kann, um Besuchern einen Eindruck der eigenen Person zu vermitteln. Der Betreiber, die Telefongesellschaft SK Telecom, profitiert davon, denn um sich entsprechend zu präsentieren, werden fleißig Kleidungsstücke, Tapeten und Sessel gegen echtes Geld gekauft.
Südkorea hat sich schon durch eine immens hohe Internet-Verbreitung seinen Ruf als High-Tech-Land der Zukunft aufgebaut. 72 Prozent der Einwohner verfügen über einen Breitbandanschluss.
Drei bis vier Portale pro Nutzer
Besteht überhaupt die Nachfrage nach einem weiteren Social-Networking-Portal? Bei Cyworld stützt man sich aufgrund entsprechender Marktforschung auf die These, dass die meisten Nutzer in den USA Profile bei drei bis vier verschiedenen Portalen angelegt haben:
"Viele nutzen eine Site für das 'echte Ich', eine Site für bestimmtze Übergangsphasen im Leben sowie eine neue, angesagte Trend-Site", ist Cyworld-Marketingchef Michael Streefland überzeugt.
"MySpace nur kurz interessant"
Cyworld ist seiner Meinung ein Ort für das "echte ich", während Facebook vor allem während der Uni-Zeit genutzt werde und MySpace für die meisten Nutzer nur wenige Monate lang von Interesse sei.
Bei MySpace sieht man das naturgemäß anders. Um die Nutzer zu halten würde laut Gründer Chris de Wolfe zu jedem Zeitpunkt an rund zehn neuen Features gearbeitet.
MySpace zählte im November erstmals mehr Seitenaufrufe als das Yahoo-Angebot. Die Statistik ist jedoch nicht unumstritten.
Wachstum nicht fortführbar?
Doch die extremen Wachstumsraten des Portals lassen viele Beobachter auf einen unvermeidbaren Rückgang schließen. Andere wieder glauben, dass MySpace, selbst wenn ein paar Millionen frühe Nutzer zu einem anderen Portal wechseln, immer noch denselben Status behalten wird.
Die größte Gefahr für alle Anbieter sind technsiche Fehler, die die Nutzer schnell wieder vertreiben können. Laut Streefland sei dieser Punkt sowohl bei Cyworld als auch bei MySpace abgesichert, weil große Konzerne mit Know-how und vor allem tiefen Taschen dahinter stünden.
Wettbewerb wird härter
Ein weitere Bedrohung stellt die Über-Kommerzialisierung dar, die die Nutzer durch ein Zuviel an Werbung und Services vertreiben könnte.
2007 wird der Wettbewerb wahrscheinlich härter denn je, mit immer mehr neuen Sites und Start-ups, die sich alle ein Stück vom Kuchen versprechen. Wer dabei als Gewinner und wer als Verlierer aussteigt, wird sich wohl nächstes Jahr um diese Zeit besser sagen lassen.
