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Ghostshoppers in the Sky

NETZTEILE
09.05.2009

Wenn Jugendliche in Bayern böse Spiele testkaufen, dann ist das erst der Anfang. Legionen von Ghostshoppern werden das Internet aus der Krise kaufen. Leider wird das FBI live dabei zuschauen.

Lassen wir den derzeit üblichen Abbau einmal beiseite. Das Internet hat schon längst vor der Klobürstenindustrie seinen Weg aus der Krise gefunden. Denn hier kann man von allen guten Geistern verlassen eine Menge tun. Die Bayern machen es vor. Man kauft zum Schein, was andere nicht einmal mehr herunterzuladen wagen. Der guten Sache wegen. Und die Internet-Gemeinde nickt.

Sie kennt das von Spin-Manövern wie "Massenbesäufnisse gegen Drogen" und "in Afghanistan kämpfen für den Frieden". Die jugendlichen Testkäufer werden nach dem Ghostshoppen übrigens psychologisch betreut. Ihnen und uns wird immer gesagt: Nur wenn man so tut, als täte man was, tut man etwas dagegen. Deshalb geistern wir jetzt alle im Internet herum.

Deshalb ghosttwittert das FBI und nimmt vermutlich sofort jeden fest, der in 140 Zeichen erklären kann, dass Killerspiele eigentlich nicht wirklich einen Kick versetzen. Just try, und wenn es klopft: nicht aufmachen, das sind vermutlich keine Dreharbeiten zu "C.S.I. Salzburg".

Die Ghostsurfer sind unterwegs. Sie gehen häufiger online als zu Fuß und bringen die Server zum Kochen. Sind sie dann doch einmal auf der Straße, dann können sie sich auch auf ihre Freunde aus dem Netz verlassen. Immerhin hat sich Google selbstlos dazu bereiterklärt, der Default Location-based Provider für Firefox zu werden.

Mit ein bisschen mehr Google-Profil lässt sich dann schon eine Menge machen. Und das heißt dann nichts anderes als: Wir gehen immer mehr unterwegs online, wissen dann laut Firefox und Google immer, wer und wo wir sind. Die anderen übrigens auch.

Wenn wir dann in Bayern Killerspiele kaufen, sind wir eigentlich schon verloren, weil die Dorfpolizei das dem FBI längst getwittert hat. Und da braucht dann auch niemand zu behaupten, das wäre ein anderer gewesen. Gut, im Augenblick arbeiten vor allem die russischen Kollegen noch an den Basics, aber das ist ja alles erst der Anfang.

Sicherheit und Gewaltspiele in Ehren, aber inzwischen gibt es noch Wichtigeres zu tun: Die Welt ist voller Pornojäger mit verkrampfen rechten Händen, vor allem in Facebook. Kein leichter Job, wenn man am Computer den Laden sauber halten soll. Da kommt man dann am Abend nach Hause, der Partner will wissen, wie es im Büro war, und man kann nur sagen: "Alles Wixer", und irgendwie stimmt das auch noch.

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(Harald Taglinger)