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Wenn die Würmer zwitschern lernen

NETZTEILE
18.04.2009

Seit neuestem kommt die Schadsoftware über Twitter. Davon sollten wir nicht überrascht sein. Immerhin ist Twitter ein Verbreitungsmechanismus. Und die Sprache ist ein Virus.

Es ist Frühling, auch im Internet. Da leidet also ein Teil der Zwitschervögelchen unter einem Twitterwurm und stellt streng nach Klischee fest, dass der Erfinder dieses Wurms gerade einmal 17 Jahre alt ist. Hart.

Gerade einmal kurze Zeit nach dem Rätselraten über "Conficker" und der Frage, wie ein so weltweit wurmiges, weblastiges Internet nach all den Jahren noch Spaß machen soll. Würmer sind eine grausame Sache. Zum einen schauen sie nicht immer gut aus, zum anderen bohren sie unschön in Wunden. So kann man eine Menge daran lernen, was dabei herauskommt, wenn man einem weiblichen Borstenwurm das Hirn entfernt. Richtig: ein Männchen. Aber den größeren Zusammenhang zwischen Borste und Byte lassen wir jetzt lieber.

Hirnlos ist auch die Angst vor Würmern im Internet. Denn dazu ist das Internet ja da. Es soll verbreiten. Sonst wäre es eine digitale Kapuzinergruft. Andauernd befallen uns Würmer via Download, wir merken es nur nicht. So beginnt Apple mit demTest von Pushmail für iPhones und wird sicher dazu beitragen, dass noch mehr Menschen panikartig in ihren Hosen ein Glöckchen bimmeln hören und lesend aufspringen.

Microsoft wird sich nicht mehr mit alten Browser-Versionen aufhalten. Man arbeitet an automatischen Updates von Windows-Computern durch einen aufgedrängten Internet Explorer 8. Da sollte der Installer aber dann schon sauberer durchlaufen als bei den Kollegen. Sonst wurmt das die User ganz ordentlich.

In der Zwischenzeit begreifen wir, dass der Wurm im Content steckt. Kaum twittert einer etwas Gegoogeltes, schon verbreitet sich das in Windeseile, weil ihm 1.149 andere Twitterer hinterherrennen. Dazu ist Twitter da, und auch ein Wurm ist ein Inhalt. Und wenn noch Friendfeed zum Einsatz kommt, dann hat es sich schnell über das eigene Vogelnest hinaus verbreitet.

Sprache ist ein Virus, und seit digitaler Medienrummel nichts mehr kostet, verbreitet sie sich fast so schnell wie das Licht. Also warum aufregen, wenn ein 17-jähriger Strolch das vorführt und gleichzeitig klarmacht: Es gibt sinnlose Tools dafür, man braucht mindestens zehn Wörter davon, aber dann kann es loswuseln. Und das Internet stellt die Nährlösung dafür.

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(Harald Taglinger)