Neue Details zur Wikileaks.de-Stilllegung

DOMAIN
14.04.2009

Die Domain Wikileaks.de wurde offenbar wegen eines Antrags auf Übertragung der Domain des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND) ohne schriftliche Genehmigung des Domain-Inhabers stillgelegt.

Wikileaks.de verlinkt direkt auf die Inhalte von Wikileaks.org.

Wikileaks.de-Domain-Inhaber Theodor Reppe hatte den Transfer der Domain Bnd.de bei seinem Provider Beasts Associated beantragt, weil die Domain laut offizieller Mitteilung von Wikileaks.org entgegen den Registrierungsrichtlinien der offiziellen .de-Verwaltungsstelle Denic auf ein Postfach statt eine physische Adresse registriert gewesen sein soll und er die Anforderungen testen wollte.

Daraufhin bekam er von seinem Provider, der für ihn Wikileaks.de und andere Domains verwaltet, am 14. November 2008 eine E-Mail mit einem Negativbescheid für den Antrag sowie dem Hinweis, dass sein Account für weitere Domain-Registrierungen gesperrt sei.

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Auf Wikileaks.org wurden im November und Dezember letzten Jahres einige Dokumente mit Informationen über den BND veröffentlicht, darunter auch IP-Adressen, von denen aus die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia editiert wurde und die zu Standorten des BND führen sollten. Im Rahmen dieser Veröffentlichung habe BND-Chef Ernst Uhrlau Wikileaks mit Strafverfolgung gedroht, wenn die Dokumente nicht entfernt würden, so Wikileaks.org in seiner Mitteilung. Dieser Aufforderung sei man nicht nachgekommen.

Kündigung am 8. Dezember

Diese Darstellung von Wikileaks.org bestätigte Beasts-Associated-Inhaber Daniel Teixeira auf Anfrage gegenüber ORF.at. Man habe Reppe nach dem E-Mail vom 14. November aufgefordert, eine schriftliche Genehmigung des bisherigen Domain-Inhabers, also des BND, zu übermitteln, aber keine zufriedenstellende Rückmeldung bekommen.

Da diese Vorgehensweise gegen die Vertragsbedingungen von Beasts Associated verstoße, habe man den Vertrag mit Reppe gekündigt. Davor habe es eine entsprechende Ankündigung von Seiten des Providers gegeben, woraufhin Reppe am 25. November seinerseits erklärt habe, die Domains umzusiedeln.

Am 8. Dezember sei die Kündigung per E-Mail, Brief und Fax an Reppe ergangen, zumindest die E-Mail sei auch angekommen und gelesen worden, aber es sei kein Einspruch gegen die Kündigung erfolgt, so Teixeira. Von der Kündigung des Vertrags, der laut Teixeira nie widersprochen wurde, sind alle über Beasts Associated registrierten Domains Reppes betroffen.

Widerspruch bei den Details

Teixeira widerspricht der weiteren Darstellung von Wikileaks.org, wonach die Domain im Voraus bezahlt war und Reppe in einem Telefonat mit der Support-Hotline die Aufrechterhaltung für die Dauer der bezahlten Zeit vereinbart habe. "Wir haben keinen derartigen Anruf verzeichnet", so Teixeira, der sich darüber verwundert zeigte, dass die Kommunikation mit Reppe bisher nur rein per E-Mail und nie per Telefon abgelaufen ist und Reppe sich das Telefonat in keinster Weise schriftlich bestätigen ließ. Die bezahlte Laufzeit sei Mitte Jänner ausgelaufen.

Auf die Frage, ob nur der Antrag auf Übertragung der BND-Domain zur Kündigung geführt habe oder Reppes weitere Aktivitäten - unter anderem betreibt er einen Tor-Server - ebenfalls dafür ausschlaggebend waren, wollte sich Teixeira mit Hinweis auf die laufende juristische Prüfung nicht äußern. Ohne schriftliche Genehmigung des Kunden sei es nicht möglich, den genauen Kündigungsgrund anzugeben.

Allerdings würde auch jeder andere Kunden, der so wie Reppe agiere, gekündigt, so Teixeira: "Das gilt auch für die Domains Ebay.de oder Microsoft.de - die Einverständniserklärung muss vorliegen, sonst gilt das als Vertragsbruch."

"Unglücklicher Zeitpunkt"

Der Karfreitag als Zeitpunkt für den Transit der Domain sei unglücklich, aber eher zufällig passiert, so Teixeira. Man habe ohnedies bereits ein paar Tage gewartet, da aber auch nach dem 30. März keine Reaktion Reppes gekommen sei, habe man schließlich die Domain an die Denic transferiert.

Wikileaks.org schreibt weiters, dass Reppe nicht mitgeteilt worden sei, dass die mündliche Vereinbarung aufgehoben wurde - die es laut Teixeira aber nicht gegeben haben soll. Auch sei Reppe nicht über den tatsächlichen Umzug informiert worden, und er habe auch keine Informationen für einen Umzug erhalten. Die Denic hat Wikileaks den Versand des Briefs für den Umzug für Dienstag angekündigt.

Reppe selbst verwies auf Anfrage von ORF.at zu den Umständen und Erklärungen rund um Wikileaks.de auf die Stellungnahme auf Wikileaks.org. Die beschlagnahmten Sachen aus der Hausdurchsuchung vor drei Wochen habe er inzwischen zurückerhalten, so Reppe.

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