08.05.2003

SICHERHEIT

Bildquelle: W

US-Datenhunger empört Südamerika

Die US-Regierung beschafft sich immer mehr Daten ausländischer Bürger und greift dabei verstärkt auf private Datenhändler zurück. So wurden von verschiedenen US-Behörden in den letzten eineinhalb Jahren mehrere hundert Millionen Datensätze von lateinamerikanischen Bürgern angekauft.

Dieser Datenhunger empört allerdings zusehends viele Südamerikaner. In mindestens drei Ländern stehen Verfahren gegen Unternehmen oder Personen an, welche die US-Datensammler bedient haben, weil hier oft mit illegalen Mitteln vorgegangen wurde.

Ob die US-Firma ChoicePoint, welche die Daten dann an die eigene Regierung mit hohen Gewinnen weiterverkaufte, ebenfalls belangt werden kann, ist unterdessen noch umstritten.

Illegaler Datenhandel

In Südamerika wird den kommerziellen Datensammlern das Geschäft einerseits durch fehlende oder laxe Datenschutzgesetze erleichtert, andererseits aber auch durch korrupte Beamte. So gilt es als offenes Geheimnis, das Bedienstete der Meldebehörden in vielen südamerikanischen Ländern Datensammlungen illegal verkaufen.

In Nicaragua ermittelt die Polizei schon gegen zwei Firmen, die ChoicePoint als Zulieferer dienten und die dabei besonders rigoros vorgegangen sein sollen. So wurden hier neben den "üblichen" Daten auch oft die Strafregister und Kreditkartendetails mitgeliefert.

Untersuchungen stehen dazu in Kolumbien, wo ChoicePoint sämtliche Meldedaten aller 31 Millionen Einwohner zusammengekauft hat, und in Mexiko an. Insbesondere in Mexiko hat der Datenhandel mit den USA auf jeden Fall auch schon zu einem öffentlichen Skandal geführt, der sämtliche Medien des Landes beschäftigt.

Innenminister Santiago Creel sprach schon von einem "kriminellen Akt" und versprach Ermittlungen gegen die ChoicePoint-Zuträger. In Mexiko erwarb ChoicePoint für 250.000 USD das komplette Wählerregister mit den Daten von annähernd 60 Mio. Mexikanern. Neben den üblichen Einträgen waren hier auch die Blutgruppen enthalten.

Rechtslage unklar

Ob das US-Unternehmen, das von den dubiosen südamerikanischen Datendeals enorm profitiert hat, selbst belangt werden kann, ist unterdessen noch unklar. ChoicePoint verweist in diesem Zusammenhang schlicht auf seine Lieferanten, für deren Fehltritte man aber auf keinen Fall verantwortlich zu machen sei.

Klar ist unterdessen, dass die Geschäfte des Unternehmens in den letzte Jahren glänzend liefen, da das Sicherheitsbedürfnis sowohl von privater als auch von staatlicher Seite immer weiter steigt und daher "Hintergrund-Checks" immer mehr zum US-Alltag werden.

Während die Datensammelwut in Südamerika vor allem der Einwanderungs- und Einreisekontrolle dienen soll, macht das Unternehmen sein Hauptgeschäft aber nach wie vor mit den Daten der US-Bürger selbst.

Hier sind einerseits Firmen an Daten über Angestellte und Kunden interessiert [vor allem die Kreditwürdigkeit spielt hier ein große Rolle], andererseits dürfen die US-Behörden selbst nur sehr begrenzt Daten sammeln und speichern, da ihnen das von einem Datenschutzgesetz von 1974 verboten wird. Doch gerade dadurch werden sie zu den besten Kunden der privaten Datensammler, die in den USA nur wenigen Einschränkungen unterliegen.

Der letzte Skandal

ChoicePoint machte schon einmal unrühmliche Schlagzeilen, und zwar im Nachspiel zur vergangenen US-Präsidentenwahl:

Das Unternehmen hatte vor der Wahl das Wählerregister des US-Staates Florida durchsiebt, mit der Folge, dass eine große Anzahl von Bürgern ihr Wahlrecht verloren. Der überwiegende Anteil der Betroffenen war schwarzer Hautfarbe.