"Big Brother"-Fantasie mit 10 Mio. Webcams
Der Unternehmer Jay Walker will die USA mit einem Netz von zehn Millionen Webcams zur Überwachung von wichtigen Regierungseinrichtungen überziehen.
Der als Gründer eines der ersten Dot.coms - priceline.com - bekannt gewordene Walker lobbyiert seit einiger Zeit mit republikanischen Freunden, um seine Idee durchzusetzen.
Die zehn Millionen Webcams sollen im Rahmen des "US Home Guard"-Projekts von nicht weniger als einer Million Menschen überwacht werden, die dafür acht bis zehn USD pro Stunde erhalten sollen.
"US Home Guard"
Insgesamt 47.000 Einrichtungen sollen auf diese Art und Weise
überwacht und - selbstverständlich - vor Terrorismus geschützt
werden. Eine stabile Webcam mit Wärmesensor, Mikrofon und
Lautsprecher übermittelt alle fünf Sekunden ein Bild an ein
Datencenter - wenn es vom vorigen abweicht, wird es an drei Personen
übermittelt, die es unabhängig voneinander beurteilen.
US Home GuardFalls die Schnappschüsse als verdächtig markiert werden, werden diese und die der umliegenden Kameras an zehn weitere Überwacher geschickt, die den Sachverhalt noch einmal beurteilen. Wird Alarm geschlagen, wird der Vorfall sofort an ein Team von Profis weitergeleitet.
"Rechtschaffene Bürger" sollen sich so ein Zubrot verdienen - sie erhalten eine kurze Ausbildung, in der sie lernen, mit digitalen Bildern umzugehen.
Die hohen Kosten von insgesamt rund zwölf Milliarden USD will Walker nicht als Hinderungsgrund gelten lassen. "Im Vergleich zu herkömmlichen Überwachungsmethoden ist das sehr wenig", gibt er zu bedenken. Darüber hinaus würde sich das System durch drastisch gesunkene Versicherungsprämien rentieren.
Menschenleere Korridore
Selbst Datenschützer können keinen direkten Grund angeben, wieso das System nicht implementiert werden sollte: Die Kameras überwachen nämlich nur Areale, auf denen sich ohnehin kein Mensch aufhalten sollte.
Die Folgen des Projekts wagen sie aber nicht abzuschätzen. Marc Rotenberg vom "Electronic Privacy Information Center" gibt zu bedenken, dass das Projekt künftig einfach auf weitere Standorte und Zusatzmaßnahmen wie Gesichtserkennung ausgeweitet werden könnte.
