02.05.2003

KUNST

Bildquelle: Brucker-Cohen

Wasser als Datenträger

Ein neues "Protokoll zur Datenübertragung" namens "H2O/IP" entwickelt derzeit der IT-Künstler Jonah Brucker-Cohen. Er forscht am MIT Media Lab Europe in Dublin und hat schon verschiedene digitale Kunstprojekte realisiert, die auf das Internet als Vernetzungsmedium setzen. Das Besondere an H2O/IP ist die zur Datenübertragung genutzte Trägersubstanz: Wasser.

Nach Angaben von Cohen funktioniert H2O/IP ähnlich wie TCP/IP, nutzt aber die viskosen Eigenschaften von H2O [Wasser], die in den herkömmlichen, paketorientierten Netzen nicht gegeben sind.

Insbesondere Flüssigkeit, unterschiedliche Temperaturen, variable Aggregatzustände, Unterschiede in der Dichte je nach Zustand sowie Oberflächenspannung sind Eigenschaften, die bei elektronischer Datenübertragung nicht vorhanden sein können und so auch nicht als Informationsträger genutzt werden können.

Prototyp

Auch eine Prototyp-Anwendung hat der Entwickler schon gebaut und im Media Lab Europe, dem ehemaligen Hopfenlager der Guinness Brauerei in Dublin, errichtet. Die "StreamingMedia" genannte "Daten-Skulptur" besteht aus zwei Computern, die in unterschiedlicher Höhe installiert sind.

Jener im ersten Obergeschoß macht Fotos und schickt die Daten der geschossenen Bilder in Form modulierter Wassertropfen an den im Erdgeschoß situierten Rechner.

"Das Projekt versucht zu demonstrieren, wie digitale Information in anorganische Form codiert und decodiert werden kann, um physische Netzwerke zwischen digitalen Geräten zu etablieren", schreibt Brucker-Cohen auf seiner Projekt-Website.

Umwandlung

Die aufgrund der Schwerkraft nach unten fallenden Wassertropfen werden in der darunter liegenden Etage von einem Trichter aufgefangen. Am unteren Ausgang des Trichters ist ein Infrarot-Sensor angebracht, der die vorbeifallenden Tropfen analysiert.

Die so gewonnen Daten werden vom angeschlossenen Computer ausgewertet, ein ebenfalls angebundener Videoprojektor projiziert schließlich das Graustufen-"Bild" auf eine vom oberen Geschoß sichtbare Projektionsfläche.