Die russische Computer-Geschichte
Die Geschichte des Computers scheint längst geschrieben zu sein. Namen wie Alan Turing, Konrad Zuse oder von Neumann hat man zumindest schon mal gehört. Fast unbekannt ist hingegen die parallele Entwicklung von Computern in der Sowjet-Union.
"Vergessen Sie nicht, Russland war zwar ein ökonomisch armes Land, die Lebensbedingungen waren viel härter als im Westen, aber Wissenschaft und Bildung genossen immer Ansehen und Unterstützung" so Alexander Yuryevich Nitussov. "An etwas Progressivem beteiligt zu sein, war eine Frage der Ehre."
Der Ingenieur und Computerhistoriker ist einer der Herausgeber des Buches "Computing in Russia", das westlichen Lesern die Geschichte der Entwicklung von Computern in der ehemaligen Sowjet-Union erstmals zugänglich macht.
Computing in RussiaDer erste Computer
Die russische Computer-Geschichte begann 1948 im Labor des wichtigsten sowjetischen Computerpioniers Sergey Lebedev in den Ruinen eines aufgelassenen Nonnenklosters außerhalb von Kiev.
Dort wurde mit dem "MESM" im November 1950 der erste elektronische Computer in Betrieb genommen. Er war nicht nur der erste in der Sowjet-Union sondern auch der erste im kontinentalen Europa.
Ohne dass die sowjetischen Forscher die westliche Literatur kannten, entsprach sein Aufbau der noch heute gültigen Von-Neumann-Architektur mit Rechenwerk, Steuerwerk und Arbeitsspeicher.
Aus dem Ö1-Magazin matrix
Der zweite Beitrag widmet sich den Beziehungen zwischen Geografie und Internet: Das World Wide Web stand schon in seinen frühen Tagen im Ruf, der Mörder der Geografie su sein. Als grenzenloses Paralleluniversum hebt es tatsächlich Distanzen auf und macht die sogenannte politische Karte der Welt in mancher Hinsicht irrelevant. Spannend verspricht aber die nahe Zukunft zu werden, wenn die reale, geografische Welt mit der virtuellen Welt etwa mittels Headset
Weiße Flecken erschließen
Die weißen Flecken auf der technikgeschichtlichen Landkarte zu erschließen, motivierte auch den deutschen Medienhistoriker Wolfgang Ernst an der Archäologie des sowjetischen Computers mitzuarbeiten.
"Besonders dort wo alternative Ansätze realisiert wurden, gibt es in der verschütteten sowjetischen Tradition einiges zu finden was für die Zukunft interessant sein könnte", meint der Mitherausgeber von "Computing in Russia".
Rechner zum Beispiel, die statt auf binärer Basis mit dreiwertiger Logik arbeiteten oder die militärischen "Special Machines", über die nach wie vor wenig bekannt ist. Kein Wunder die Spezialrechner in Raketen und U-Booten werden auch heute noch eingesetzt.
