26.04.2003

CYBERWAR GAME

Bildquelle: fuZo

US-Rekruten halten NSA-Hacker in Schach

Das US-Militär verlässt sich bei der Kommunikation und somit Informationsweitergabe auf dem Schlachtfeld immer mehr auf moderne Technologien. Doch gerade die Abhängigkeit von fortschrittlichen Informationstechnologien macht die Truppen auch anfällig für Angriffe auf die Infrastruktur.

Um für den Ernstfall gewappnet zu sein, fanden diese Woche zum dritten Mal die jährlichen Cyber Defense Exercises statt.

Dabei müssen Teams von fünf Militärschulen eine Woche lang ihre Computernetzwerke gegen Attacken von Spezialisten des US-Geheimdienstes National Security Agency [NSA] verteidigen und so ihr IT-Know-how unter Beweis stellen.

Geschlossene "Virtual Private Networks"

Die diesjährige Übung fand nicht über das Internet sondern in geschlossenen "Virtual Private Networks" statt. Die Teams bestanden aus acht bis mehreren dutzend Rekruten, die ihre Systeme von Montag Morgen bis Donnerstag Nachmittag gegen die NSA-Hacker verteidigten.

Gewonnen hat das Team, das die wenigsten Punkte bekommen hat. Punkte bekommt man, wenn es den Gegnern gelungen ist, einen Teil des Netzwerks lahmzulegen oder die Inhalte zu verändern.

In diesem Jahr wurden erstmals auch Bedrohungen durch Insiderinformationen sowie so gennante "Injection Attacks", bei denen die Teams etwa ihre Datenbank- und Mailserver herunterfahren und die Dienste innerhalb einer vorgegebenen Zeit über andere Wege wieder zum Laufen bringen müssen, trainiert.

Austricksen mittels "Social Engineering"

Die Übung soll selbst gut vorbereitete Teams mit unvorhersehbaren Situationen konfrontieren und zu selbstständigen Lösungsansätzen motivieren.

"Unser Netzwerk war auf einmal nicht mehr das große, komplexe, gut abgesicherte System. Wir hatten alle Hände voll zu tun, es ständig zu reparieren und am Laufen zu halten," beschreibt Jessie Grove, Leiterin des Naval-Academy-Teams die vergangene Woche.

Am Mittwoch wurden die Teilnehmer angewiesen ihre Firewalls für mehrere Stunden zu deaktivieren. Werteten die erfolgsverwöhnten Rekruten dies zuerst als letzten verzweifelten Versuch der NSA-Hacker Schaden anzurichten, stellte sich schnell heraus, dass dieser Teil der Übung zeigen sollte, wieviele schützende Schichten um ihr Netzwerk die Teams ohne Firewall noch aufrecht erhalten konnten.

Auch mittels so genanntem "Social Engineering" wollten die NSA-Spezialisten den Militär-Nachwuchs fertig zu machen. In Telefonanrufen gab man sich als Mitglied eines anderen Teams aus und versuchte so wertvolle Informationen zu entlocken.

Hier versuchen die Teams die Attacken der NSA abzuwehren. Später erholten sich die Rekruten bei einer Runde "Halo" auf der Xbox von den Strapazen der Übung.

Gewinner werden erst ermittelt

Die Gewinner des diesjährigen Cyber-Defense-Wettkampfes stehen noch nicht fest, sie müssen erst vom CERT ermittelt werden.

Doch die zuständigen Militärexerten zeigen sich schon jetzt zufrieden mit dem Engagement und Einsatz der verschiedenen Teams.