Siemens lässt sich von außen prüfen
Der Aufsichtsrat des deutschen Technologiekonzerns Siemens will externe Prüfer zur Klärung der Schmiergeldaffäre verpflichten.
Ohne Hilfe von außen sei die Aufarbeitung des Skandals zum Scheitern verurteilt, sagte ein Mitglied des Aufsichtsrates der "Süddeutschen Zeitung". Ein entsprechender Auftrag könnte vom Siemens-Aufsichtsrat bereits am Montag erteilt werden. Unklar sei noch, welcher Zeitraum durchleuchtet werden soll, schreibt die Zeitung.
Kritik an Wirtschaftsprüfern
Im Siemens-Aufsichtsrat wurde auch Kritik an der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG laut, die die Bilanzen von Siemens kontrolliert.
Es sei fraglich, ob die Prüfer konsequent genug nachgehakt hätten, heißt es dem Bericht zufolge. "200 Millionen Euro dürfen nicht einfach verschwinden, ohne dass die Prüfer das bemerken", sagte ein Aufsichtsrat der Zeitung.
Erste Geständnisse
Laut "Süddeutscher Zeitung" hat es in der Schmiergeldaffäre die ersten Geständnisse gegeben. Sechs Beschuldigte aus der Sparte Telekommunikation [Com] hätten zugegeben, schwarze Kassen in Liechtenstein, der Schweiz und Österreich installiert oder ermöglicht zu haben, schrieb die Zeitung in ihrer Wochenendausgabe. Den Geständnissen zufolge seien die Beträge jeweils als Schmiergelder in Europa, Asien, Afrika und Mittelamerika geflossen.
Fünf Verdächtigte noch in U-Haft
Die Staatsanwaltschaft verdächtigt etwa ein Dutzend Beschuldigte, rund 200 Millionen Euro veruntreut und damit Schmiergeld für Auslandsaufträge gezahlt zu haben.
In der Affäre ermittelt die Sonderkommission "Netzwerk" des Landeskriminalamtes München, fünf Verdächtige sitzen noch in Untersuchungshaft.
Der finnische Handykonzern Nokia will unterdessen an der geplanten Zusammenarbeit mit Siemens bei Netzwerken auch angesichts der Korruptionsaffäre festhalten.
Die für das kommende Jahr geplante Zusammenlegung der Netzwerksparten soll wie geplant durchgeführt werden: "Die Integration geht weiter", sagte eine Nokia-Sprecherin am Wochenende.
(dpa | APA)
