23.04.2003

KURZMITTEILUNG

Bildquelle: PhotoDisc

Per SMS auf Verbrecherjagd

Ein Pilotprojekt zur Massenfahndung nach Straftätern könnte bald in großem Stil umgesetzt werden.

In neun deutschen Städten wird seit einigen Monaten "Verbrecherjagd per SMS" geprobt. Dabei werden Fahndungsmitteilungen per Massen-SMS an registrierte Mitglieder verschickt.

Als eine der neun Städte beteiligt sich Karlsruhe an dem Projekt. "Die Technik klappt hervorragend", urteilt der Leiter des Führungs- und Lagezentrums der Polizei Karlsruhe, Olaf Hary. Allerdings wurde dort die Methode erst mit Privathandys von Polizisten und nicht mit Mobiltelefonen von Bürgern erprobt.

Diebesjagd in der Weihnachtszeit

Der nächste große Test folgte in der Vorweihnachtszeit, um Taschendieben in der Innenstadt auf die Schliche zu kommen. Verdeckte Ermittler, Politessen, Kaufhausdetektive und Polizeibeamte erhielten jeweils Kurznachrichten, wenn Diebe unterwegs waren.

Fazit: Beide Aktionen waren erfolgreich. "Die Methode wäre eine gute Ergänzung zum Funk und zu Fahndungsaufrufen in den Medien", sagt Hary.

Die Polizeidienststellen in anderen beteiligten Städten wie Rendsburg und Bochum berichten laut Hary ähnlich positiv. Teils seien schon freiwillige Bürger sowie Bus- und Taxifahrer beteiligt worden. Teils seien auch Beschreibungen von vermissten Menschen per SMS durchgegeben worden.

"Wir könnten eigentlich loslegen, doch da gibt es noch die Diskussion um die Kosten", berichtet Hary. Für eine SMS gibt die Karlsruher Polizei 13 Cent aus. "Beim Castor-Transport haben wir zehn SMS an 140 Teilnehmer geschickt und waren schnell knapp 200 Euro los", sagt Hary.

Angeblich keine Datenschützer-Kritik

Eines ist für Hary jedoch klar, sollte die SMS-Straftäterjagd Einzug in die Polizeireviere halten: "Nur Freiwillige werden beteiligt, und niemand sollte sich privilegiert fühlen, wenn er mitmacht." Wer seine Handynummer zur Verfügung stelle, könne sich auf ein sicheres Computersystem verlassen. "Auch Datenschützer haben die Methode geprüft und nichts daran auszusetzen."