Das Internet im Visier totalitärer Regime
Der offene Informationsaustausch und die schier unüberblickbare Meinungsvielfalt von Web, E-Mail und Co ist totalitären Regimen naturgemäß ein Dorn im Auge.
Anders als bei Telefonanlagen und anderen technischen Einrichtungen lässt sich der Gebrauch des Internets allerdings weit weniger leicht reglementieren.
Bereits vor dem Zeitalter des World Wide Web versuchten Regime, die Bevölkerung von regierungskritischen Berichten und Nachrichten von Menschenrechtsgruppen fernzuhalten.
Mit Filtern, schwarzen Listen und Zugangskontrolle wird versucht, das Netz zu reglementieren.
Zahl der Internet-User steigt
Der Beliebtheit des Internets tut das keinen Abbruch: In der
Volksrepublik China ist die Zahl der Internet-Nutzer im vergangenen
Jahr auf mehr als 59 Millionen gestiegen. Allein im zweiten Halbjahr
2002 kamen nach Pekinger Regierungsangaben 13,3 Millionen neue
Nutzer hinzu.
Mehr Surfer und mehr Zensur in ChinaAusländische Websites blockiert
China fördert die Internet-Nutzung vor allem in Wirtschaft und Bildung, versucht aber, subversiven Informationsfluss zu unterbinden. Dazu wird der Zugang zu bestimmten ausländischen Websites blockiert. Die Behörden haben nach Angaben der Menschenrechts- und Gefangenenhilfe-Organisation Amnesty International [AI] Dutzende von Personen wegen Nutzung des Internets inhaftiert.
Alle Internet-Cafes sind verpflichtet, die Polizei über ihre Kunden zu informieren und den Netzwerkverkehr zu überwachen.
Darüber hinaus wird der Verkehr automatisch nach Stichworten gefiltert. Das gesamte Datenaufkommen wird über acht Gateways gelotst, was bei zunehmendem Verkehr zu immer deutlicher spürbaren Verzögerungen führt, da die Filter-Kapazitäten offensichtlich nicht parallel mit dem Datenaufkommen erhöht werden.
Missliebige Inhalte
Für chinesische Surfer werden weniger ganze Sites gesperrt als
gezielt missliebige Inhalte. So können zwar die Startseiten
westlicher Medien aufgerufen werden, nicht aber ausgewählte Artikel
über China und die dortige Parteiführung.
Zensur dämpft Surf-GeschwindigkeitFidel Castro und die Internet-Propaganda
Doch auch gute alte Propaganda wird via Internet betrieben. Kubas Staatschef Fidel Castro hat eine eigene Site gelauncht, in der er sich, wie könnte es anders sein, gegen Behauptungen der Vereinigten Staaten von Amerika den Terrorismus und Kuba betreffend richtet.
60.000 Kubaner online
Antiterroristas.cu ist allerdings im Inland schwer zu betrachten.
Nach Schätzungen des CIA-Factbook besitzt von den insgesamt gut elf
Millionen Kubanern nur knapp ein Prozent einen privaten Rechner. Um
die 60.000 Kubaner haben Internet-Accounts.
Fidel und das NetzDie kubanische Regierung sorgt dafür, dass ein Internet-Zugang schwer zu erhalten ist. Der Kauf eines privaten Gerätes ist nicht einfach, da eine Zustimmung des Ministeriums für Innenwirtschaft erforderlich ist. E-Mail und Web sind für Kubaner, wenn überhaupt, nur von ihrem Arbeitsplatz möglich.
Hotels verfügen zwar über Internet-Zugänge; eine Stunde Nutzung kostet allerdings mehr als der durchschnittliche Monatslohn eines Kubaners.
"Wir sind ein Entwicklungsland, das tagtäglich darum kämpft, genug Mahlzeiten und Kleidung zu produzieren. Daher ist für die Mehrheit der Bevölkerung ein Internet-Anschluss unbedeutend", so Abelardo Mena vom Nationalmuseum in Havanna.
