Der biometrische Bademeister
Ein Hallenbad im schweizerischen Schaffhausen speichert die Fingerabdrücke seiner Kundschaft. Eine chlorreiche Idee, findet der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte.
Früher war die Körperhygiene ja eher eine ernste Angelegenheit. Unter dem weichen Blick des chlorbedämpften Bademeisters sprangen wir 70er-Jahre-Kinder in den städtischen 25-Meter-Pool. Wer seine Bademütze vergessen hatte, wurde angemosert und musste ein ekliges Leihmodell aus der Sammlung der gutmütigen Matrone an der Kasse um den Schädel spannen.
Nach dem Bad keuchten wir mit gebeizten Lungen zur Fußpilzdusche, wo wir die Schwammerlkolonien zwischen den Zehen in einer chemischen Sintflut ertränkten. In den seltenen stillen Momenten hörten wir den Bademeister auf seinen Plastiklatschen durch die Gänge wandeln. Jeder Schlurfer ein feuchtes Platschen auf gebrochenen Fliesen. Niemand wäre auf die Idee gekommen, seine Fußbekleidung als "Flip-Flops" zu bezeichnen.
"Fun" ist ein Hallenbad
Hinterher verloren wir gerne die Zehnerkarten, aber die waren nur aus Pappe und spottbillig. Heute ist das Bad nicht besser, kostet aber zehn Mal so viel. Vermutlich deshalb, weil jetzt "Fun" statt "Hallenbad" am Eingang steht und ganz tolle Ticketing-Systeme eingebaut wurden. Der Bademeister ist eine Videokamera.
Im schweizerischen Schaffhausen nahm es eine dieser Freizeit-Fun-Anlagen mit Hallenbad und Saunalandschaft geradezu kriminalistisch genau und speicherte die Fingerabdruck-Templates ihrer Dauerkartenkunden zwecks Identitätskontrolle in einer hausinternen Datenbank.
Helden wie wir
Dagegen intervenierte nun der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte [EDÖB], der immerhin erreichte, dass die Fingerabdrücke nur noch auf den Smart Cards der Abonnenten gespeichert werden dürfen. Ein echter Sieg für Datenschutz und Menschlichkeit; wir gratulieren.
Der alte Bademeister hat unsere Fingerabdrücke nicht gebraucht. Er hat sie weggeschrubbt von den angeknacksten Fliesen und von den kalkverkrusteten Duscharmaturen. Wenn er gut drauf war, hat er die Schwimmhalle mit dem öffentlich-rechtlichen Schlagersender beschallt. Das war eine ernste Angelegenheit. Aber garantiert besser als biometrisch kontrollierter "Fun".
(futurezone | Günter Hack)
