02.04.2003

IRAK-KRIEG

Bildquelle: US-AF

Die Illusion von den "Präzisionswaffen"

Je länger der Irak-Krieg dauert, umso deutlicher erweist sich auch der vom Pentagon versprochene "saubere" und "präzise" Krieg als Illusion.

Aber nicht nur die Fehleinschätzung der Situation im Irak, auch die technische Grundlage der "Präzisionsschläge" durch "smarte" Bomben und Raketen erweist sich immer mehr als unsicheres Terrain.

Während das Pentagon keine oder offensichtlich geschönte Angaben zur Treffgenauigkeit seiner High-Tech-Waffen macht, gehen Militärexperten einhellig davon aus, dass mindestens zehn Prozent der Marschkörper und "Präzisions"-Bomben ["Joint Direct Attack Munition", JDAM] ihr Ziel verfehlen.

Die Ursachen werden dabei sowohl im Versagen der hoch komplexen Waffensysteme als auch schlicht in menschlichen Fehlern gesehen.

Pentagon-Statistik

Für Aufsehen haben zuletzt die offensichtlich fehlgeleiteten Tomahawk-Marschflugkörper gesorgt, die im Iran, der Türkei und Saudi-Arabien niedergingen.

US-General Stanley McChrystal sagte dazu laut dpa am Samstag in Washington, dass bisher sieben Tomahawks im Irak-Krieg ihr Ziel verfehlt hätten. Das sei weniger als ein Prozent. Der gleiche General sagte aber ebenfalls am Samstag laut der gleichen Nachrichtenagentur, dass seit Kriegsbeginn 675 Marschflugkörper abgefeuert worden wären.

Neben dieser offensichtlich unrichtigen Statistik versicherte McChrystal aber auch, dass die Sprengköpfe der Tomahawks erst dann aktiviert würden, wenn sie sich ihrem Ziel näherten. Irrläufer würden daher nicht explodieren, wenn sie auf dem Boden aufschlügen.

Während diese Aussage für Irrgänger in Saudi-Arabien korrekt zu sein scheint, gehen Experten von "Jane's Defense" davon aus, dass fehlgeleitete US-Marschflugkörper für die Toten auf zwei Märkten in Bagdad verantwortlich sind.

Fehlersuche

Selbst aus dem Pentagon ist inzwischen offiziell zu hören, dass "das Risiko [ziviler Opfer] niemals" auszuschließen sein wird: "Das [die Waffensysteme] sind mechanische Geräte und mechanische Geräte werden immer mechanische Gebrechen haben", sagt etwa Christy Nolta von der Luftwaffe.

Neben diesen machen unabhängige Militärexperten aber auch noch fatale Softwarefehler als mögliche Ursache fehlgeleiteter Bomben aus. Bei den in Militärkreisen "Target Location Error" genannten Fehlern werden die Zielkoordinaten schlicht falsch berechnet.

Einhellig verweisen das Pentagon und unabhängige Experten auch auf mögliche menschliche Fehler. Diese können zu einer falschen Definition des Ziels durch die Aufklärung, zu Übermittlungs- und schlichten Eingabefehlern führen.

"Es gibt einfach eine signifikante Lücke zwischen 100 Prozent und der Realität", fasst Hewson die Situation zusammen. "Und je mehr [Bomben] man wirft, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit von katastrophalen Fehlern."

Störsender ohne Auswirkungen

In der Analyse der offensichtlichen Fehlschläge der "Präzisonswaffen" spielen die immer wieder in den Medien erwähnten GPS-Störsender, die der Irak derzeit einsetzen soll, um den US-Streitkräften die Orientierung zu erschweren, keine Rolle.