31.03.2003

WAR GAMES

Bildquelle: US-Army

Kriegssimulation wird blutiger Ernst

Vergangene Woche hat der US-Kommandeur der Bodentruppen im Irak-Krieg, William Wallace, öffentlich eingeräumt, dass die USA ihren Gegner militärisch unterschätzt haben. Grund dafür seien vor allem die paramilitärischen Kräfte, die den amerikanischen Truppen mit Guerillataktik entgegentreten.

"Der Gegner, den wir bekämpfen, unterscheidet sich von dem, den wir in unseren Kriegsspielen hatten", klagte Wallace.

Tatsächlich haben jedoch bereits in den vorangegangenen militärischen Truppenübungen am Computer [Millennium Challenge 02] Angriffe von Milizen eine entscheidende Rolle gespielt.

Die damaligen virtuellen Anschläge wurden vom Pentagon jedoch als "nicht vorschriftsmäßig" deklariert und einfach rückgängig gemacht.

Selbstmordattentate simuliert

Im Rahmen des 250 Millionen USD teuren Experiments kämpften zwei Teams, die "red force" [die Bösen] und die "blue force" [die US-Truppen], gegeneinander. Die Roten wurden dabei vom inzwischen pensionierten Drei-Sterne-Marinegeneral Paul van Riper befehligt.

Van Riper gelang es, die sensiblen Abhöranlagen der technisch überlegenen blauen Truppen mit einfachen Low-Tech-Taktiken wie dem Einsatz von Motorradboten zur Übermittlung von Befehlen auszutricksen.

Die feindlichen Roten schafften es sogar, einige Schiffe der US-Flotte zu versenken, durch Selbstmordattentate mit Schnellbooten.

An dieser Stelle wurde das Manöver schließlich abgebrochen.

Abbruch und Neustart

Mit der Begründung, die taktischen Züge von Viper wären "unvorschriftsmäßig", wurden die Angriffe für ungültig erklärt, die blaue Flotte wieder vervollständigt und das Spiel ohne Verluste fortgeführt.

"Der Ablauf des Krieges war so angelegt, dass die Blauen als Sieger hervorgehen", schäumte Van Riper. "Ich durfte meine eigenen Ideen und Taktiken einfach nicht anwenden. Manchmal mussten wir [die Roten] sogar unseren Standort bekannt geben."

Da ihm die Hände derart gebunden wurden, zog sich der General und passionierte "Böse" schließlich frustriert aus dem Projekt zurück.

Seine Warnung, die "Millennium Challenge" nicht als Vorlage für im Krieg funktionierende Taktiken zu nehmen, fand im Pentagon wohl genauso wenig Zuspruch wie seine Taktiken.