Verkaufe Deine Freunde
Der Boom von Sites wie Digg und MySpace ruft verstärkt zwielichtige Spammer auf den Plan. Schäbige Geschäfte mit Nutzer-Accounts drohen das äußerst verletzliche soziale Gefüge dieser Netzwerke zu zerstören.
Erst Anfang November fantasierte Rupert Murdoch auf einer Analystenkonferenz in Sydney für sein Soziales Netzwerk MySpace mit dessen 130 Millionen mehr oder weniger aktiven Nutzern noch einen Wert von sechs Milliarden Dollar herbei.
Spammer, die auf eBay einen schwungvollen Handel mit MySpace-Freunden betreiben, sind da bescheidener. Tausend Kontakte gehen bei ihnen schon für 9,99 US-Dollar weg. Ein Account mit 10.000 Friends ist mit 75 Dollar bei Sofortkauf aus dem Bauchladen des Identitätenstadls ein echtes Schnäppchen. Wie sagt der eBay-Geek in solchen Fällen? "Gerne wieder!"
Digg-Spammer aus Bangladesch
Spätestens seit das US-Wirtschaftsmagazin "BusinessWeek" in einer Coverstory vom 14. August Kevin Rose, dem Gründer der Nerd-Nachrichten-Site Digg, einen Wert von aus dem Handgelenk geschätzten 60 Millionen US-Dollar andichtete, steht auch diese beliebte Site im Visier von Tricksern und Suchmaschinenspammern.
US-Tech-Blogger Niall Kennedy zeichnet in einem am Dienstag veröffentlichten Posting die Spuren eines Digg-Spammer-Rings nach, der seine Kreise bis nach Bangladesch zieht und über selbst gehypte Beiträge auf Roses Nachrichten-Site traumhafte Suchergebnisse bei Google erzielt.
Verstärkend wirke noch, so Kennedy, dass viele Digg-Fans über eingebundene Listen auf ihren eigenen Blogs die Topthemen der Nachrichten-Site anzeigen ließen und damit noch mehr Spuren auf die Spammer-Sites legten, denen der Google-Bot dann folgen könne. Das eigentliche Geld verdient die von Kennedy ausgeforschte Spammer-Site mit schäbigen Partnerschaftsprogrammen und Adressverkäufen.
Auch die Website Spikethevote.com hat Digg im Fadenkreuz. Ihr Erfinder "Spike" geriert sich als Robin Hood der unterrepräsentierten Digg-Poster und sammelt mit einem eigenen Punkteprogramm ein asoziales Netzwerk um sich. Jedes Mitglied bekommt jeden Tag einen Auftrag, für ein bestimmtes Posting auf Digg zu stimmen, um es in der Rangliste der Site nach oben zu jubeln.
Gleichzeitig muss aber jeder Teilnehmer täglich für eine bestimmte Anzahl sonstiger Postings stimmen, damit er nicht von den Digg-Wächtern zu leicht erkannt wird. Die Mitmacher bekommen für ihre Dienste Punkte bei Spikethevote. Wer genügend Punkte hat, darf von seinen Klubkollegen ein eigenes Posting pushen lassen.
Sell-out
Überraschung: Auch Spikethevote.com ist auf eBay zu haben, Code und Domain inklusive. Ein angeblich israelischer Bieter mit dem schönen Namen "interactive-selling" hat schon 1.000 US-Dollar vorgelegt. Die Lieferung ist gratis. Was für den Social-Software-Programmierer der Buy-out durch Murdoch, ist für den cleveren Posting-Pusher der schnelle Deal auf eBay. In der Bubble 2.0 zählt für beide nur der Ausverkauf.
Dass Accounts in sozialen Netzwerken und Online-Spielen von Profis aufgebaut und anschließend verkauft werden, ist nichts Neues. Die Intensität und Offenheit, mit der die Spam-Sabotage sozialer Netzwerke betrieben wird, allerdings sehr wohl. Bis die ersten virtuellen Staubsaugervertreter den Einwohnern von "Second Life" auf die Nerven gehen, kann es nicht mehr lange dauern. Zu verlockend ist die Aufmerksamkeit, die es in den großen Netzwerken zu holen gibt.
(futurezone | Günter Hack)
