Gott kauft bei Gates

ahistorisch
20.11.2006

Die Erzdiözese Wien holt sich eine Lizenz für 500 MS-Office-Arbeitsplätze. Dabei ist doch nur der Mac katholisch!

"Moderne Informationstechnologie nimmt in der täglichen Arbeit der österreichischen katholischen Kirche eine wichtige Rolle ein", verrät uns eine Pressemeldung an diesem trüben Nachmittag. "So ist etwa die Erzdiözese Wien durch ein umfangreiches IT-System vernetzt. Um dieses Netz von mehr als 500 PC-Arbeitsplätzen stets auf dem modernsten Stand zu halten, setzt die Erzdiözese Wien auf eine innovative Lösung auf Basis von Microsoft Office 2007."

Redmond ist das neue Rom

Damit fließt ein Teil der Kirchenbeiträge direkt nach Redmond. Ein Kardinalfehler? Keineswegs, meint der Pressetext: "Damit erwartet die Erzdiözese Wien für das erste volle Betriebsjahr eine Produktivitätssteigerung um bis zu zehn Manntage."

Produktivitätssteigerung? Manntage? Das, liebe Pressetexter, klingt nicht nach Katholizismus, sondern nach tiefstem Protestantismus! Wie wir vom deutschen Soziologie-Klassiker Max Weber wissen, geht es den Katholiken in der Regel ums gottgefällige Entspanntsein, während es die Protestanten sind, die möglichst hart an der persönlichen Erlösung arbeiten und dabei unermüdlich ihre Produktivität steigern müssen.

Den Protestanten stünden auch, so der kirchenhistorisch bewanderte Gelehrte Umberto Eco in einem berühmten Aufsatz von 1994, die Microsoft-Produkte ideologisch am nächsten. MS-DOS sei nüchtern und textorientiert, während die freundliche Oberfläche des Macintoshs den User mit allerlei Icons und Firlefanz schmerzlos zur Erlösung führe.

Ein Jahr, nachdem Eco seinen Aufsatz publiziert hatte, kam jedoch Windows 95 heraus. Die Kommandozeile war verdrängt, Microsoft schien von der bunten Gegenreformation erfasst. Kein Wunder, dass sich sogar institutionelle katholische Kunden bis heute von Steve Ballmers scheinbar frommer Tonsur verwirren lassen.

In Sachen Webhosting sind sich Katholiken und evangelische Christen in Wien übrigens einig: Sowohl stephanscom.at als auch evang-wien.at setzen auf Linux und folgen damit der alten Empfehlung ihres Chefs, lieber auf Felsen als auf Sand zu bauen. Am Ende rechnen aber alle doch nur mit Silizium.

(futurezone | Günter Hack)