Gesammeltes Wissen über die Welt
Wie Fans und Forscher Google Earth nutzen: am Sonntag um 22.30 Uhr im Ö1-Magazin "matrix".
Als der in Wien lebende Kameramann Amir Esmann vor etwa einem Jahr Google Earth kennen lernte, suchte er als Erstes die Orte seiner Kindheit im Iran und die Orte, an denen seine Großeltern gelebt hatten.
Wiedersehen
Google Earth war für den viel Gereisten eine Möglichkeit, Gegenden, in die er vielleicht nie mehr reisen kann, wenigstens auf einem detaillierten Satellitenbild zu sehen.
Später markierte er seine Lieblingsorte in Wien und stellte die Informationen allen Google-Earth-Nutzern zur Verfügung.
Wissen für die Gemeinschaft
Amir Esmann ist ein typisches Mitglied der Google-Earth-Community, die Informationen über interessante Orte auf dem virtuellen Globus einträgt und so zur Sammlung von Wissen für die Gemeinschaft beiträgt.
Die ganze Erde auf dem Bildschirm
Google Earth ist eine Software, die über Breitband-Internet die ganze Erde auf den Computerbildschirm liefert. Google Earth mappt viele Tausende Satellitenbilder und Luftaufnahmen auf einen Globus, in den man bis auf die Größe eines Hauses hineinzoomen kann. Auf manchen Bildern sind sogar einzelne Menschen zu erkennen.
"Stecknadeln auf einer Landkarte"
Die Bilder sind auf Höhendaten gemappt, sodass man die Ansicht kippen und bei Gebirgslandschaften im 3-D-Modus durch die Landschaft fliegen kann. Zusätzlich zu den Satellitenbildern gibt es unzählige einblendbare Informations-Layer und die Möglichkeit, Punkte einzutragen wie Stecknadeln auf einer realen Landkarte.
Start als "Keyhole"
Die Software, die dahinter steckt, wurde ursprünglich unter dem Namen Keyhole von der Firma Keyhole Corporation entwickelt. Im Jahr 2004 kaufte Google die Firma, benannte die Software in Google Earth um und stellt sie seither in der einfacheren Version gratis zur Verfügung.
Konkurrenz zu Experten-GIS?
Bei so viel freiwilligem Engagement und frei verfügbaren Daten könnten die Entwickler und Nutzer von geografischen Informationssystemen [GIS] fast schon neidisch werden. Denn die Satellitenbilder, Luftaufnahmen und Daten, die für GIS genützt werden, müssen meist teuer gekauft werden und machen die Systeme kostspielig - auch wegen der aufwendigen Programmierung.
Auswirkungen auf die Branche
Ist die Arbeit der GIS-Experten durch Google Earth obsolet geworden? Keineswegs, sagt Dirk Schmidt, der sich an den iSpace Research Studios in Salzburg mit der Entwicklung von geografischen Informationssystemen beschäftigt. Es gebe jedoch Auswirkungen auf die Branche.
Einerseits würden sich die GIS-Entwickler in Zukunft anstrengen müssen, Experten-GIS leichter benützbar zu machen, andererseits sei das Interesse an geografischen Informationssystemen durch die Beliebtheit von Google Earth gestiegen.
Google Earth für die Wissenschaft
Weil Google Earth so einfach ist und weltweit jedem Menschen mit Breitband-Internet-Zugang zur Verfügung steht, wird es aber auch schon von Wissenschaftlern genützt.
Walrossrouten ...
Dänische Forscher markieren in Google Earth zum Beispiel die Routen, die Walrosse zurücklegen, die zuvor mit Sendern ausgestattet wurden.
... und Vogelgrippe-Ausbreitung
Andere tragen die Ausbreitungsgebiete des Vogelgrippevirus ein, markieren Hunderte von Vulkanen und verlinken die Einträge mit Webcams oder mappen die Bevölkerungsdichte auf den virtuellen Globus.
"Informationsbedürfnis sehr groß"
Klaus Greve, Professor für geografische Informationssysteme und Fernerkundung an der Universität Bonn, nützt Google Earth unter anderem für die Visualisierung des Projekts "Global Biodiversity Information Facility". Das Bedürfniss nach Informationen über unseren Planeten sei auf jeden Fall sehr groß, so Greve. Das sei an der Begeisterung über Google Earth und dessen intensiver und vielfältiger Nutzung ablesbar.
(Sonja Bettel)
