Telekom-Desaster in Ghana
Die Telekommunikations-Infrastruktur ist in vielen Teilen Afrikas noch überhaupt nicht entwickelt. In den versorgten Gebieten stellt sie einen wichtigen Wirtschafts- und Standortfaktor dar ¿ wenn sie funktioniert.
Besonders desaströs scheinen die Zustände in Ghana zu sein. Ghana Telecom [GT] hat in dem 20-Mio.-Einwohner-Land erst etwa eine Viertelmillion Festnetzanschlüsse gelegt und ist hoch verschuldet.
Nachdem die Regierung zuerst eine Kooperation mit Telecom Malaysia ausgehandelt hatte, wurde im vergangenen Jahr dieser Vertrag nicht verlängert und das Management an die norwegische Telenor übertragen.
Telecom MalaysiaProvider offline
Doch auch die Europäer mussten ihre ursprünglichen Pläne für die Installation von 400.000 Leitungen inzwischen begraben, da die geschätzten Verluste von GT von einer Mio. USD pro Woche derzeit keine solchen Investitionen erlauben.
Dafür hat man kurzerhand die Telefonleitungen aller Internet-Provider des Landes stillgelegt, da man ihnen vorwirft, durch VoIP-Services Ghana Telecom massive Umsatzeinbußen zu bescheren.
Letzte Woche wurde es einigen Kunden zu bunt. Eine aufgebrachte Menschenmenge demonstrierte und beklagte sich gegen das in den letzten Monaten noch schlechter gewordene Service.
Die Mitarbeiter eines Service-Points schlossen sich aus Angst vor der Rache ihrer Kunden sogar ein. Kwame Karikari, ein Sprecher der Demonstrierenden, sagte, Ghana Telecom hätte stets nur Ausreden gebraucht, aber nichts zur Verbesserung der Situation unternommen.
Die Demonstranten beschwerten sich darüber, dass die meisten Telefonzellen nicht funktionieren würden, das Unternehmen aber weiterhin Telefonwertkarten verkaufe ¿ die die Kunden jedoch gar nicht benutzen könnten. Außerdem würde es immer schwieriger, Telefongespräche selbst im Inland zu führen. Eine einzige Nummer müsse oft stundenlang immer und immer wieder gewählt werden, um schließlich eine Verbindung zu erhalten. Ghana Telecom sieht die Probleme durch die Zunahme der Telefonnutzung verursacht.
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