Orientierungshilfe bei Katastrophen

INNOVATION
18.03.2009

Ein Forscherteam an der TU Graz hat ein Führungssystem entwickelt, das Feuerwehr, Rettung & Co. Orientierungshilfe bei Katastrophenfällen in geschlossenen Räumen und unterirdischen Anlagen geben soll.

Katastrophenfall in einem mehrstöckigen Einkaufszentrum: Feuer und Rauch versperren die Sicht. Zu wissen, wo man ist und wohin man muss, ist in solchen Situationen für Einsatzkräfte wie Feuerwehr und Polizei überlebenswichtig. Die Positionsbestimmung von Personen innerhalb von Gebäuden und unterirdischen Anlagen, in denen der GPS-Empfang nicht möglich ist, war bisher eine ungelöste Aufgabe.

"Der bisherige Lösungsansatz zur Positionsbestimmung, viele Sensoren wie etwa Kameras zu installieren, ist nicht praxistauglich. Abgesehen von den enormen Kosten funktionieren derartige Installationen im Ernstfall womöglich überhaupt nicht mehr", erklärt Ulrich Walder vom Institut für Bauinformatik der TU Graz .

Die Lösung der Grazer Forscher: ein System, das auf Basis von Trägheitsnavigation und der Interaktion mit "intelligenten" Gebäudegrundrissen funktioniert.

Sensor misst Bewegung

Dabei bestimmt ein kleiner, direkt am Körper getragener Sensor aus der gemessenen Beschleunigung, also der Bewegung der Einsatzkräfte, und dem Erdmagnetfeld laufend seinen Standort.

Die berechneten Positionen können allerdings, etwa durch abgelenkte Erdmagnetfelder, ungenau sein. Um derartige Störungen zu kompensieren, haben die Wissenschaftler eine Koppelung mit einem "intelligenten" Grundrissplan entwickelt, der den Sensor an bestimmten Stellen automatisch repositioniert. "Durch die Kommunikation zwischen Sensor und Grundriss ist die Position des Sensorträgers laufend erkenntlich", beschreibt Walder die Funktionsweise des Systems.

Anzeige auf Monitorbrille

Das ganze System kann freihändig bedient werden: Der Sensorträger sieht auf einer Monitorbrille seine eigene Position auf einem Grundrissplan. "Aber nicht nur der Sensorträger selbst kennt so laufend seinen Standort, auch die Einsatzleitung hat einen besseren Überblick und kann ihre Kräfte effizienter koordinieren", so Walder.

Präsentation in den USA

Langfristiges Ziel der Forscher ist es, die Technologie für den alltäglichen Gebrauch einzusetzen: Letztlich sollen sich Anwender mit ihren Mobiltelefonen selbst durch Flughäfen, Städte und Einkaufszentren navigieren können. Die Grazer Bauinformatiker werden ihr "Indoor Positioning System" Ende März am Technologie-Event "World's Best Technology Showcase" im US-Bundesstaat Texas präsentieren.

(APA)