© Bild: Nicolas Mahler, Spammonster von Nicolas Mahler

Die E-Mail-Monstrositäten des Nicolas Mahler

BESTIEN
14.03.2009

Der Wiener Zeichner Nicolas Mahler hat seine Mailbox aufgeräumt. Im Spamordner fand er dabei Textmonstrositäten vor, die wie von selbst vor seinem geistigen Auge zu grotesken Kreaturen heranwuchsen. Mahler hatte den Mut, diese Alpträume aus dem Unterbewussten des Internets zu Papier zu bringen. Es entstand eine Galerie der Freaks.

ORF.at: Herr Mahler, wie sind Sie darauf gekommen, Spam als Grundlage für Cartoons zu nehmen?

Nicolas Mahler: Angefangen hat es damit, dass ich eine lange vernachlässigte Mailbox aufräumen wollte, und dort auf über 15.000 ungelesene Spammails gestoßen bin. Mir tat es dann um einige gute Exemplare leid, daher habe ich die interessantesten aufgehoben. Ich habe die 15.000 Mails auf etwa 2.000 interessante zusammengeschrumpft und daraus dann das Buch montiert. Ich war über Wochen damit beschäftigt, Spammails zu sichten und zu sortieren. Für die Zeichnungen habe ich immer nur den Betreff und den Namen verwendet. Geöffnet habe ich sie nie.

ORF.at: Haben Sie einen Lieblingsspambetreff?

Nicolas: "If you've got a small dic'k, don't blame your parents", zum Beispiel. Rein sprachlich finde ich auch "Your schluong is th champion" interessant. "Salut! my ass wait you here" ist zwar profaner, aber auch recht elegant. Was mich aber besonders gereizt hat, sind nicht nur die Betreffzeilen, sondern auch die Namen der "Absender".

Ich habe dann versucht, dafür Figuren zu finden, die den Namen entsprechen. "Herr Salami Osahon" finde ich sehr inspirierend. Von Herrn "DDADA gauus" habe ich die Nachricht "FuckstickHugeKitty" erhalten. Das finde ich auch stimmig.

ORF.at: Hat die Wirtschaftskrise eigentlich Auswirkungen auf die Spamangebote?

Nicolas: Mir ist auf jeden Fall eine Abkehr von den afrikanischen Geldmails hin zu traditionelleren Werten aufgefallen - hin zu Penisverlängerungen eben. Wahrscheinlich kann sich niemand mehr die Anwaltskosten leisten, weil man bei diesen alten Geldmails ja erst etwas investieren musste, um zu den 70 Millionen Dollar des verstorbenen, weit entfernten Verwandten zu kommen. Den Penis kriegt man da schon billiger.

"Spam" von Nicolas Mahler ist im Reprodukt Verlag erschienen. Auf 64 Seiten sind darin liebevoll bearbeiteter Spam und zahlreiche Monster versammelt. Preis: zwölf Euro.

ORF.at: Das Projekt verlangte sicher nach körperlicher und geistiger Disziplin. Mussten Sie Spam zum Frühstück essen, um sich auf die Arbeit einzustellen?

Mahler: Ich musste gar nichts tun. Egal wann ich aufgestanden bin, es waren immer schon neue Spammails da. Das ist natürlich sehr angenehm, wenn man die Texte über Nacht von jemand anderem schreiben lassen kann. Obwohl ich festgestellt habe, dass die Anzahl der Spammails in letzter Zeit etwas abgenommen hat. Ich bin aber auch wahrscheinlich einer der wenigen Menschen, die

sich über neue Spamnachrichten freuen.

ORF.at: Konnten Sie alle Lieblingsspammails in dem Buch unterbringen?

Mahler: Ich habe derzeit ein Weblog zu dem Thema in Arbeit. Am Montag soll es damit losgehen.

(futurezone/Günter Hack)