Siemens will Kurzarbeit deutlich ausweiten
Parallel werden auch neue Mitarbeiter eingestellt
Die Kurzarbeit beim deutschen Technologiekonzern Siemens wird voraussichtlich noch deutlich ausgeweitet. Personalchef Siegfried Russwurm sagte der "Welt am Sonntag", die Zahl von derzeit 7.000 Betroffenen könne sich noch verdoppeln. "Angesichts der zum Teil dramatischen Entwicklungen in Branchen wie dem Maschinenbau oder der Automobilindustrie, die wir mit einigen unserer Sparten beliefern, würde es mich nicht wundern, wenn sich die derzeitige Anzahl der Mitarbeiter in Kurzarbeit verdoppelt", wird Russwurm zitiert.
Dann würden etwa zehn Prozent der Belegschaft bei Siemens kurzarbeiten. Der Konzern beschäftigt in Deutschland rund 130.000 Mitarbeiter. "Kurzarbeit ist ein Instrument zur Arbeitsplatzsicherung", sagte das Vorstandsmitglied.
2.000 offene Stellen
Nach seinen Worten bekommt Siemens die Wirtschaftskrise immer deutlicher zu spüren. "Natürlich können wir uns nicht der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung komplett entziehen", sagte Russwurm. Die Nachfrage stocke derzeit insbesondere in der Industrieautomatisierung und bei Osram.
Der Personalchef versicherte, dass Siemens in der Krise "besonnen agieren" werde. "Betriebsbedingte Kündigungen wollen wir 2009 vermeiden", sagte Russwurm in dem Interview. Mittel- und langfristig seien der Mangel an Fachkräften und der demografische Wandel die größeren Herausforderungen. Siemens werde aber auch in diesem Jahr Mitarbeiter einstellen, man habe nach wie vor 2.000 offene Stellen.
Finanzielle Auswirkungen gering halten
Nach den Worten Russwurms will der Konzern die finanziellen Auswirkungen für die Beschäftigten möglichst gering halten. "Zunächst setzen wir immer erst Maßnahmen wie beispielsweise den Abbau von Zeitguthaben ein, die den Geldbeutel unserer Mitarbeiter schonen", wird er zitiert.
Bei der Kurzarbeit würden den Beschäftigten 85 Prozent des Nettoeinkommens garantiert, "egal wie viel weniger gearbeitet wird". Im Durchschnitt belaufe sich die Reduzierung auf ein bis zwei Tage pro Woche.
(APA/AP)
