Kaspersky fordert Ende der Anonymität im Netz
Der russische Sicherheitsexperte Eugene Kaspersky fordert einen "Internet-Personalausweis". Das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnt in seinem neuen Lagebericht vor weiterer Professionalisierung der Internet-Betrüger.
Eine Art Personalausweis für Nutzer und eine Cyberpolizei hat der russische Sicherheitssoftware-Spezialist Eugene Kaspersky vorgeschlagen. Eine stärkere Regulierung sei notwendig, um die wachsenden Gefahren zumindest einzudämmen, sagte der Chef und Gründer des gleichnamigen Herstellers von Anti-Viren-Programmen am Dienstag auf der Computermesse CeBIT in Hannover. Er sei sich allerdings bewusst, dass die meisten Nutzer einen solchen Schritt ablehnten, räumte Kaspersky ein.
"Ein Land, das regiert werden muss"
Kriminelle könnten über das Internet leicht und mit geringem Risiko Nutzer betrügen - "dafür müssen sie noch nicht einmal den Raum verlassen". Dabei komme ihnen zugute, dass die Kommunikation über das Netz anonym und über Grenzen hinweg erfolge. So sei es möglich, aus Ländern mit geringer Strafverfolgung zu agieren.
Kaspersky forderte, dass sich jeder Nutzer bei der Anmeldung identifizieren solle. Die Anonymität des Netzes sei eine "Schlüsselfrage". Darüber hinaus müssten die internationalen Regierungen gemeinsam gegen Online-Kriminalität vorgehen. "Das Internet ist wie ein Land, das regiert werden muss", so Kaspersky. Seiner Ansicht nach werden die Regierungen jedoch erst nach einigen "ernsthaften Zwischenfällen" reagieren.
BSI warnt vor Bedrohungen
Der sorglose Umgang mit persönlichen Daten im Internet wird laut dem deutschen Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu einem immer größeren Sicherheitsrisiko. Angreifer nutzten Informationen aus Angeboten wie sozialen Netzwerken, um geschickt Mails zu fingieren und damit den Rechner des Empfängers zu attackieren, so das BSI anlässlich der Präsentation seines aktuellen Lageberichts auf der CeBIT in Hannover. Die Bedrohung für die IT-Sicherheit bleibe insgesamt auf einem hohen Niveau, allerdings nehme auch das Gefahrenbewusstsein der Nutzer zu, berichtete die Behörde bei der Vorstellung ihres Lageberichts.
"Vor allem die immer weiter voranschreitende Professionalisierung der Internet-Kriminalität bereitet uns Sorge", sagte BSI-Präsident Udo Helmbrecht. So agierten die Angreifer arbeitsteilig und ließen ihre schädliche Software eigens von Spezialisten anfertigen. Die Programme seien immer komplexer und könnten beispielsweise über das Internet weitere Schädlinge oder Tarnmechanismen nachladen. Zudem bewiesen die Angreifer bei ihren Attacken immer mehr psychologisches Geschick, hieß es im Lagebericht, der alle zwei Jahre erscheint. Um die Risiken einzudämmen, forderte das BSI die Etablierung einer "Sicherheitskultur". Diese müsse von allen gesellschaftlichen Gruppen getragen werden.
(dpa)
