Websites setzen Lehrer unter Druck

Schule
13.11.2006

Auf Sites wie Rate My Teachers beurteilen Schüler ihre Lehrer. Bei den Pädagogen sorgen die Online-Bewertungen zunehmend für Frustrationen.

Ein britischer Chemielehrer beklagte sich vor kurzem darüber, auf dem Sozialen Netzwerk Rate My Teachers von einem anonymen Schüler als "unnützes Stück Müll" bezeichnet worden zu sein.

Anderen Pädagogen geht es ähnlich. Eine Lehrerin musste über das Netz erfahren, dass sie ständig nach Wodka rieche und während des Unterrichts mit ihrem Freund SMS-Nachrichten austausche, berichtet die BBC.

Die Anschuldigungen, meinten die Betroffenen unisono, würden jeder Grundlage entbehren.

"Vertrauen gestört"

Lehrervertreter beklagen, dass Sites wie Rate My Teachers das Vertrauen zwischen Lehrern und Schülern nachhaltig stören. Einige Lehrer würden wegen der beleidigenden Kommentare sogar überlegen, ihren Beruf aufzugeben, heißt es.

Zugänge gesperrt

Zahlreiche Schulen haben bereits die Zugänge zu den Angeboten aus dem Schulnetzwerk gesperrt.

Rate My Teachers wurde vor fünf Jahren in New York gegründet. Das Netzwerk für Schüler und Eltern ist neben den USA auch in Großbritannien, Kanada, Irland, Neuseeland, Australien und Indien aktiv.

"Zahlreiche Beschwerden"

Michael Hussey, der Gründer von Rate My Teachers, räumte gegenüber der BBC ein, dass es in den vergangenen Jahren immer wieder Beschwerden gegeben habe.

Haltlose Anschuldigungen würde jedoch sofort gelöscht. Darüber hinaus könnten registrierte Lehrer beleidigende Kommentare auch selbst entfernen, erläuterte Hussey.

In Deutschland gingen Professoren gegen die Website Meinprof.de vor, weil zahlreiche User dort das Rating-System dazu missbrauchten, die Hochschullehrer anonym zu beschimpfen.

Professoren-Bewertung auch in Österreich

Auch in Österreich gibt es mit Meinprof.at eine Website, auf der Studenten ihre Professoren bewerten können.

Schüler zeigen wenig Verständnis

Viele Schüler haben für die Aufregung ihrer Lehrer über die Online-Bewertungen wenig Verständnis. Sie sehen darin oft die einzige Möglichkeit, das Lehrpersonal auf Verfehlungen aufmerksam zu machen.

Das biete den Lehrern auch die Gelegenheit, ihr Verhalten zu ändern, sagte eine Schülerin.

(futurezone | BBC)