Infineon profitiert von Billighandy-Boom

MWC '09
17.02.2009

Gute Geschäfte in Indien und China

Der Halbleiterkonzern Infineon profitiert vom Boom der Billighandys. "In einem Handy für 20 Dollar stecken Infineon-Chips für fünf Dollar", sagte Unternehmenschef Peter Bauer am Dienstag der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Bis zu 60 Prozent des Umsatzes der Mobilfunksparte entfielen auf die vor allem in den Schwellenländern beliebten "Ultra-Low-Cost"-Handys und die auch in Europa populären Einsteigergeräte. "Unseren Schnitt machen wir hauptsächlich über das Volumen", so Bauer.

In mehr als 100 Millionen Billighandys stecken mittlerweile Infineon-Chips. Von der wachsenden Lust der Inder nud Chinesen am mobilen Telefonieren profitieren insbesondere die deutschen Mitarbeiter. "Die Chips für extrem preisgünstige Mobiltelefone werden vorrangig in Dresden gefertigt", sagte Bauer. Dabei stehen die Fabriken, in denen die Handys aus vielen Einzelteilen zusammengesetzt werden, vorrangig in Asien. "Wo auf der Welt Sie Chips produzieren, ist letztlich egal, weil die Transportkosten keine wesentliche Rolle spielen."

Vorproduzierte Mobilgeräte

Infineon liefert Nokia und Co. das Herzstück des Handys praktisch schlüsselfertig. In dem Chip sind alle wichtigen Funktionen vereint: Sende- und Empfangseinheit, Stromversorgung, eine simple Grafik und je nach Preisklasse auch ein MP3-Spieler, eine Kamera oder ein Radio. Sogar das Betriebssystem des Handys ist bereits aufgespielt. "Der Kunde muss eigentlich nur noch seine Software anpassen", sagte Bauer und betonte den Zeitvorteil: "In drei bis vier Monaten Entwicklungszeit entsteht ein neues Telefon."

Auch bei den teureren, multifunktionalen Smartphones sieht sich Bauer gut im Geschäft: "Keiner hat meines Wissens eine so günstige 3G-Telefonbasis wie wir." 3G ist der Mobilfunkstandard der dritten Generation, in Deutschland besser unter dem Namen UMTS bekannt. Unter anderem nutzt die neueste Version des Apple-Kulthandys iPhone diese Technik für den schnellen Datenaustausch. Es gilt als offenes Geheimnis in der Branche, dass Infineon einen guten Teil des Innenlebens liefert. Vom Applikationsprozessor, der die computerähnlichen Funktionen sowie die aufwendige Grafik steuert, hält sich Infineon allerdings fern. "Das würde noch mal 200 bis 300 Millionen Euro an jährlichem Aufwand für Forschung und Entwicklung bedeuten."

Ärger mit Speicherchiptochter

Das Geld wäre für Infineon schwer aufzutreiben. Das Unternehmen ist durch milliardenschwere Verluste der Speicherchiptochter Qimonda geschwächt und leidet deshalb umso mehr unter dem Wirtschaftsabschwung. Der Umsatz mit Mobilfunkchips war im vergangenen Quartal um mehr als 30 Prozent auf knapp 200 Millionen Euro eingebrochen. Dabei hatte Infineon das Geschäft nach der Pleite des Hauptkunden BenQ Mobile, der ehemaligen Siemens-Handysparte, gerade erst mühsam wieder auf die Beine gebracht.

Infineon hatte die Sparte durch Zukäufe verstärkt und fast alle namhaften Handyhersteller sowie die aufstrebenden Anbieter aus China als Kunden gewonnen. Über neue Bestellungen - wohlgemerkt für die Zeit nach der Krise - kann sich der Konzern nach Bauers Worten grundsätzlich nicht beklagen: "Wir kriegen im Moment mehr Aufträge, als wir bearbeiten können." Der Konzernchef verspricht sich dadurch einen "signifikanten Umsatzzuwachs".

Keine Fusion in Sicht

Laut Marktforschern ist Infineon der sechstgrößte Handychipproduzent. Um gegenüber den größeren Konkurrenten Boden gutzumachen, schließt Bauer weitere Zukäufe nicht aus: "Alles, was uns dauerhaft größer machen würde vom Volumen her, ist denkbar." Er schob aber direkt hinterher: "Es ist nichts in der Pipeline."

Einer Fusion des Mobilfunkgeschäfts oder gar des gesamten Konzerns mit einem Konkurrenten räumt er dagegen derzeit kaum Chancen ein: "Qualcomm ist Marktführer, STMicroelectronics, Ericsson und NXP haben gerade erst ihr Mobilfunk-Geschäft zusammengelegt und andere Spieler sind deutlich kleiner." Seine Schlussfolgerung: "Das Geschickteste ist, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen."

(dpa)