Mobile World Congress im Zeichen der Krise
Am Montag beginnt in Barcelona die weltgrößte Mobilfunkmesse, der Mobile World Congress (MWC). In diesem Jahr stehen die Folgen der Wirtschaftskrise im Mittelpunkt des Branchentreffs.
Die Kapitäne der Mobilfunkindustrie kommen an diesem Montag mit tiefen Sorgenfalten zum Mobile World Congress in Barcelona. Die Wirtschaftskrise schneidet ihnen allen ins Geschäft - und jeder bringt seine eigenen Probleme mit.
Die auf rasantes Wachstum getrimmten Handyhersteller stellen sich auf einen Absatzrückgang ein - den ersten seit 2001 und erst den zweiten, seit es Mobiltelefone gibt. Die Mobilfunkbetreiber müssen in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit und massiver Sparprogramme bei Unternehmen um die Ausgaben ihrer Kunden bangen. Haben die Mobilfunkkonzerne weniger Geld, können auch die Netzwerkausrüster - denen es ohnehin nicht glänzend geht - das erhoffte große Geschäft mit Technik für noch schnellere Datenübermittlung vorerst vergessen. Dabei haben sie bereits Milliarden in die Entwicklung investiert.
Der Mobile World Congress (früher 3GSM) findet von Montag bis Donnerstag in Barcelona statt. Unternehmen stellen hier traditionell ihre Neuheiten vor, in einem Konferenzprogramm wird über Trends und Marktentwicklung diskutiert.
Produktionskürzungen und Stellenstreichungen
Was für ein Kontrast zu den früheren Jahren in Barcelona. Für gewöhnlich schwärmte die Branche hier von grandiosen Wachstumsmöglichkeiten, feierte schicke neue Geräte und debattierte darüber, wie Handys die Welt verändern werden, von Bankgeschäften für die "Dritte Welt" bis hin zu glücklicheren Menschen durch mobile Internet-Kommunikation.
Dieses Jahr wird das Mobilfunk-Mekka von der Realität eingeholt. Nokia, der Handyweltmarktführer mit fast 40 Prozent Marktanteil, muss die Produktion kappen, Stellen streichen und die Forschungsausgaben senken. Der Handysparte von Motorola, einst die Nummer zwei der Welt, droht der Abschwung gar das Genick zu brechen. Und der Netzwerkausrüster Alcatel-Lucent, einer der Vorreiter des LTE-Formats für noch schnellere Netze, musste sich gegen Forderungen von Investoren wehren, aus dem Mobilfunkgeschäft auszusteigen.
"Nichts Revolutionäres"
Der Ton in der Branche sei ein anderer in diesen Tagen, und auch in Barcelona werde das zu spüren sein, glaubt ein Analyst des Marktforschungsunternehmens Strategy Analytics. "25 Jahre lang ging es darum, den Umsatz zu steigern, dieses Jahr wird es mehr darum gehen, die Kosten zu drücken."
Und so erwartet Gartner-Branchenexpertin Carolina Milanesi von der normalerweise vor Neuheiten strotzenden Messe "nichts Revolutionäres". Allenfalls weitere Handys mit dem von Google ins Leben gerufenen Betriebssystem Android könnten für Aufsehen sorgen. Wie viele davon in Barcelona zu sehen sein werden, blieb allerdings bis zuletzt unklar.
Positive Seiten
Wohlgemerkt, bei allen Problemen ist die Mobilfunkbranche viel weniger von der Krise betroffen als zum Beispiel die krisengeschüttelte Autoindustrie. Außerdem: Auch wenn die Handyhersteller meist im Vordergrund stehen - vier Fünftel der Branchenumsätze werden mit Mobilfunkdiensten gemacht. Und hier rechnen Marktexperten auch in diesem Jahr noch mit einem satten Plus von neun Prozent auf 950 Milliarden Dollar.
T-Mobile-Chef Hamid Akhavan konnte dem Rückgang der Handyverkäufe sogar durchaus Positives abgewinnen. "Wenn die Leute ihre alten Handys behalten und weiterhin unsere Dienste nutzen, steigert das sogar unsere Profitabilität als Mobilfunkanbieter, da wir die neuen Geräte subventionieren", argumentierte er in einem Interview.
(APA/dpa)
