Infineon-Aktionäre auf den Barrikaden
Aufsichtsrat und früheres Management des Chipherstellers Infineon, der auch in Österreich produziert, haben den Zorn der Aktionäre bei der Hauptversammlung am Donnerstag deutlich zu spüren bekommen.
Investoren und Aktionärsschützer gaben ihnen die Schuld am Niedergang des Unternehmens und kündigten an, ihnen die Entlastung zu verweigern.
"Ich zeige dem Aufsichtsrat und dem früheren Vorstand die Rote Karte. Für diese Misere erhalten sie von uns keine Entlastung", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).
98 Prozent Wertverlust
Auch der neue Vorstandschef Peter Bauer, seit Sommer in diese Position, hatte schlechte Nachrichten wie einen Jahresverlust von 3,12 Mrd. Euro zu verkünden. Die immer wieder in Aussicht gestellte Besserung sei nicht so eingetreten, wie man sich das das vorgenommen habe, gestand er ein.
Zudem dürften die Tage des Unternehmens im Deutschen Aktienindex (DAX) gezählt sein. Seit dem Börsengang vor neun Jahren hat Infineon fast 98 Prozent an Wert verloren. Bauer sagte, er könne verstehen, dass viele Aktionäre mit Wut im Bauch gekommen seien.
Kritik an Qimonda-Strategie
Im Zentrum der Kritik stand der Aufsichtsratsvorsitzende Max Dietrich Kley. Aktionärsvertreterin Bergdolt forderte seinen Rücktritt: "Machen Sie den Platz frei für junge, energische Entscheidungsträger, die dieses Unternehmen retten."
Als eine der zentralen Fehlentscheidungen nannte Bergdolt, dass Infineon seine Chiptochter Qimonda nicht verkauft habe, als man noch drei Milliarden Euro dafür bekommen hätte. Die Insolvenz von Qimonda und der Absturz der Aktie zum Billigpapier erschütterten selbst den Kummer gewohnten Infineon-Aktionär, so Bergdolt.
Ausblick bleibt düster
Auch der Ausblick für Infineon ist schlecht. Die Produktionsstätten sind nur zu 40 Prozent ausgelastet, an vielen Standorten herrscht Kurzarbeit. Bauer bekräftigte, im laufenden Geschäftsjahr 2008/09 (bis Ende September) werde der Umsatz mindestens um 15 Prozent zurückgehen. Gespart wird nun auch in der Chefetage: Bauer verzichtet auf 20 Prozent seines Gehalts, die weiteren Vorstände auf zehn Prozent.
Auf der Hauptversammlung will sich Infineon die Ausgabe von 225 Mio. neuen Aktien genehmigen lassen. Zusammen mit bereits genehmigten Erhöhungen würde das eine Steigerung der Zahl der Aktien um rund 45 Prozent bedeuten. Aktionäre und Teile der Aktionärsschützer kritisierten dieses Vorhaben.
(APA/AP)
