Falscher Wilhelm in der Wikipedia

MEDIEN
11.02.2009

Ein anonymer Wikipedia-Nutzer hat dem neuen deutschen Wirtschaftsminister Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg den Vornamen Wilhelm angedichtet. Zahlreiche Medien übernahmen den falschen Namen ungeprüft.

Eigentlich hatte Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, der zu Wochenbeginn als neuer deutscher Wirtschaftsminister vorgestellt wurde, bereits zehn Vornamen. Am Sonntagabend kam ein elfter dazu. Ein anonymer Benutzer der Wikipedia ergänzte die ansehnliche Liste im Eintrag des Neo-Ministers in der Online-Enzyklopädie um einen Wilhelm.

Ungeprüft übernommen

Der falsche Vorname wurde von zahlreichen Medien ungeprüft aus der Wikipedia und/oder voneinander übernommen. Sowohl in der "Süddeutschen Zeitung" als auch im RTL-"Nachtjournal" und der Online-Ausgabe des "Spiegel" sowie in zahlreichen weiteren Online-Medien, Zeitungen und Fernsehsendern hieß Guttenberg deshalb plötzlich auch Wilhelm. Auch im ORF wurde Guttenberg zeitweise Wilhelm genannt. "Ich fürchte, der junge Minister wird diesen Namen wohl nicht so leicht wieder los", schrieb der anonyme Wikipedia-Nutzer in seinem "Geständnis", das er am Dienstag im deutschen Bildblog veröffentlichte.

Inzwischen ist alles wieder gut. Der "Wilhelm" ist aus dem Wikipedia-Eintrag Guttenbergs entfernt, in den Errata-Spalten vieler Medien wurden Rechercheversäumnisse zerknirscht eingeräumt. "Wikipedia bleibt für uns eine wichtige Quelle, darf aber für journalistische Arbeit nie die einzige Quelle sein", hieß es etwa im Spiegel Online, der versprach, künftig sorgfältiger zu recherchieren.

"Kritischer Blick"

Die Wikimedia Foundation nahm das Beispiel zum Anlass, um einen kritischen Blick auf die von der Wikipedia bereitgestellten Informationen einzumahnen. "Aufgrund des rasant wachsenden Online-Angebotes ist ein kritischer Umgang mit Medien zunehmend wichtiger. Nicht die Beschaffung, sondern das Filtern, Auswählen und Bewerten der umfangreichen Informationen steht heute im Zentrum", erklärte Wikimedia-Deutschland-Geschäftsführer Sebastian Moleski am Mittwoch in einer Aussendung des Vereins.