© APA/DPA, Nacktscanner

EU-Parlament verkauft "Nackt-Scanner"

ANGEBOT
11.02.2009

Das Europaparlament sucht nach Käufern für sechs "Nackt-Scanner", die seit mehr als sieben Jahren unbenutzt in Kellern in Straßburg und Brüssel lagern. Das Interesse an den Ganzkörper-Scannern hält sich bisher in Grenzen.

Wie eine Sprecherin am Mittwoch bestätigte, hat Parlamentsgeneralsekretär Harald Römer Beamte damit beauftragt, den Verkauf der Body-Scanner vorzubereiten. Außerdem solle sich das Präsidium des Parlaments mit der Frage befassen. Der Verkauf von "Nackt-Scannern" sei schließlich "kein übliches Verfahren für ein Parlament", kommentierte der deutsche Europaabgeordnete Markus Ferber (CSU).

Nie benutzt

Die EU-Volksvertretung hatte die heftig umstrittenen Geräte, die Menschen bis auf die Haut durchleuchten können, Anfang 2002 zum Stückpreis von 120.000 Euro angeschafft. Grund waren Terrordrohungen gegen den Weihnachtsmarkt von Straßburg. Die Geräte wurden in Kellern der Parlamentsgebäude in Straßburg und Brüssel eingelagert, aber nie benutzt.

"720.000 Euro hat diese Gaudi gekostet", kritisierte Ferber, der Mitglied des Haushaltsausschusses ist. Für diese Verschwendung von Steuergeldern sei das Generalsekretariat verantwortlich, das damals die Entscheidung an den zuständigen Ausschüssen vorbei getroffen habe.

Verkauf unwahrscheinlich

Dass das Parlament die Geräte verkaufen und so zumindest einen Teil der Kosten zurückerhalten kann, halten Experten für unwahrscheindlich. Die Scanner seien heute veraltet, räumte auch die Parlamentssprecherin ein. Bisher hätten sich einige Interessenten gemeldet, die die Geräte gerne hätten - allerdings kostenlos.

Dazu gehörten das Militärhistorische Museum der deutschen Bundeswehr in Dresden und das Deutsche Museum in München. Auch die Berliner Charite habe Interesse bekundet, berichtete Ferber. Die Klinik wolle die Geräte zu Untersuchungen über Strahlenbelastung nutzen.

Umstrittener Einsatz auf Flughäfen

Erst im Oktober hatte sich das Europaparlament über Pläne der EU-Kommission entrüstet, die umstrittenen Ganzkörper-Scanner auf europäischen Flughäfen zuzulassen. Die Geräte machen für das Aufsichtspersonal auch intime Körperteile sichtbar. Auch in Deutschland und anderen EU-Staaten gab es Proteste. Die Kommission legte ihre Pläne daraufhin vorläufig auf Eis. Die Existenz der "Nackt-Scanner" in den Kellern des Europaparlaments war im Dezember durch einen Bericht der Zeitung "Die Welt" bekanntgeworden.

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(AFP)