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Und einen Download voll Rum

NETZTEILE
31.01.2009

Wir sind alle Piraten - zumindest im Internet. Daten, Musik, Ideen und Links: Nichts ist mehr sicher, selbst wenn man das gar nicht wollte. Da hilft nur noch eins: Augenklappe aufsetzen und Enter-Taste drücken.

Am 16. Februar kann es losgehen, und Pirate Bay kommt hinter schwedische Gardinen. Kein Wunder, wenn der Prozess in Schweden stattfindet. Und auch sonst soll es ein paar schöne Zufälle bei der Festsetzung der Musikpiraten geben. Zufällig bekam zum Beispiel einer der Hauptzeugen nach seiner Anstellung bei der schwedischen Polizei nun einen gut dotierten Job bei Warner Music. Was nichts bedeuten muss.

An sich ist der Prozess auch bedeutungslos, denn Piraterie gehört scheinbar bei Internet, IT und anderen Späßen zum guten Ton. Es kommt nur darauf an, wie man diese handwerkliche Tätigkeit genau definieren will.

So hat zum Beispiel Apple sich ein Patent geschnappt, das andere Hersteller von Multitouch-Displays nun zu Räubern einer geschützten Idee macht. Wehe, wenn einer mit mehr als einem Finger gleichzeitig an seinem Handy herumtippen will! Im Handumdrehen sitzt der im Häfen!

Weiterhin gibt es einige, die munkeln, dass Windows 7 Marktanteile von Linux bei Netbooks zurückstehlen wird. Das wäre für die Freibeuter der Betriebssystemszene eher unangenehm. So schnell wird man also in der Branche zum beraubten Räuber, der andere Räuber beräubert. Aber wie sagte schon mein Onkel Bertold (Gott hab' ihn selig): Wer Räuber beraubt, raubt Räubern nur einen Raub. Das half ihm und Tante Elfriede zwar im Leben auch nicht wirklich weiter, aber es klang gut. Vor allem nach ihren Ladendiebstählen im Fasching.

Es ist eben nicht so, dass man immer freiwillig zum Piraten wird. Da ist zum Beispiel dieser Mann in Neuseeland: Der kauft sich nichtsahnend einen gebrauchten iPod und findet darauf 60 Seiten Geheimnisse der US-Militärs. Was soll er da sagen? "Mausi, brauchen wir eigentlich wegen der Maulwürfe im Garten noch die eine oder andere Lenkdrohne mit Bunkersprengköpfen?" Oder was soll er machen? An einer Kaserne klingeln und den iPod herschenken? Man wird eben schneller zum Räuber, als das Onkel Bertold wahrhaben wollte.

Selbst bei ganz legalen Gerüchten über ganz legale Übernahmen wie zum Beispiel der von Skype durch Google wird man dann das Gefühl nicht los, dass sich Google nur deshalb 26 Prozent gesteigerten Umsatz unter den Nagel reißen kann, weil eBay eh nie wusste, was es mit einer erfolgreichen Firma im eigenen Kramladen machen soll.

Und selbst wenn Mozilla nur ein Prozent der Firefox-User beobachten will, um das eine oder andere Nutzerverhalten am Browser zu erkennen und zu verstehen, fühlt man sich wie ein datenbeklauter Internet-Nutzer. Fast so wie bei einer Breitseite aus den Bordkanonen der "Flying Geier", und Kapitän Schwarzbart grölt nur über die zertrümmerten Planken den verdutzten Passagieren zu: "Wir wollten nur ein paar Erkenntnisse über ihr Flucht- und Ertrinkverhalten sammeln, weiterschwimmen bitte. Arr."

Dann doch bitte gleich richtige Datenpiraterie im Netz. Da weiß man, was man nicht mehr hat. Guten Abend.

Es geht aber auch klassisch. Als Cracker braucht man ja nicht immer das Internet anzuknabbern. Ein kleiner Einbruch in das Datennetz von programmierbaren Verkehrsschildern hat auch schon etwas.

Schluss damit. Versöhnlichkeit ist aber in diesen ersten Wochen von 2009 alles, wo sogar amerikanische Präsidenten unzählige Hände möglichst allen reichen, und das sind viele. Deshalb applaudieren wir dieser Software-Firma, die mit Piraten in ein Gespräch kam und nun sogar Spenden von den Übelwichten verzeichnen kann.

Das haben wir noch nie gesehen, schon gar nicht in Piratenfilmen. Oder kennt jemand einen alten Schwarz-Weiß-Schinken, in dem der rote Korsar plötzlich auf dem Petersplatz steht und dem Papst ein neues Papamobil schenken will? Eben.

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(Harald Taglinger)