Wenig Wachstum bei Siemens Österreich
Siemens Österreich ist 2008 langsamer gewachsen als von der Geschäftsleitung geplant. Der Abbau von rund 1.000 Arbeitsplätzen gehe weiter. In der Software-Sparte Siemens PSE sollen 470 Mitarbeiter gehen. Kündigungen möchte der Konzern vermeiden.
Siemens Österreich hat im Geschäftsjahr 2007/08 (bis 30.9.) in Österreich und den mittel- und osteuropäischen Ländern (Slowakei, Slowenien, Kroatien, Bosnien, Serbien, Montenegro, Kosovo, Bulgarien, Rumänien) einen Umsatz von 7,62 Mrd. Euro erzielt, um 1,4 Prozent mehr als im Vorjahr.
Auftragseingang gestiegen
Das ursprüngliche Ziel von Siemens-Österreich-Chefin Brigitte Ederer, heuer ein Umsatzplus von fünf Prozent zu erreichen, wurde somit verfehlt.
Der Auftragseingang stieg um 6,9 Prozent auf 9,584 Mrd. Euro. Der Aufwand für Forschung und Entwicklung erhöhte sich im Vergleich zu 2006/07 um 1,7 Prozent auf 886,6 Mio. Euro.
Arbeitsplatzabbau geht weiter
Der bereits begonnene Arbeitsplatzabbau von 500 Mitarbeitern gehe weiter, zusätzlich sollen in der Siemens-Software-Sparte PSE bis zu 470 Mitarbeiter im Rahmen eines Sozialplans verabschiedet werden. Insgesamt werden also fast 1.000 Mitarbeiter abgebaut. Kurzarbeit oder weiterer Jobabbau seien derzeit nicht geplant, sagte Siemens Österreich-Vorstandsvorsitzende Ederer - allerdings könne sich die Lage in einigen Monaten auch ganz verändern.
Im Zuge des konzernweiten Kostensenkungsprogramms sind von den anvisierten 500 Mitarbeitern in Österreich bereits 100 abgebaut. Betroffen seien insbesondere Mitarbeiter in der Verwaltung. Zwar werden einvernehmliche Lösungen angestrebt, es könne aber auch zu Kündigungen kommen, erläuterte Ederer heute.
100 Mio. Euro für Sozialplan
Anders soll es bei der Softwaresparte PSE laufen: Die Gespräch mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan seien erfolgreich beendet. 450 bis 470 Mitarbeiter sollen derart "auf freiwilliger Basis" mittels einvernehmlicher Lösungen das Unternehmen verlassen, Kündigungen sollen aber vermieden werden. Für den bis Ende März 2009 geltenden Sozialplan werden 100 Mio. Euro rückgestellt, Alter und Länge der Betriebszugehörigkeit werden berücksichtigt und Alternativarbeitsplätze im Konzern gesucht.
"Highlights" im abgelaufenen Geschäftsjahr waren für Siemens Österreich die Entwicklung des Stromzählers AMIS, die railjet-Hochgeschwindigkeitszüge für die ÖBB, der erste Exporterfolg für die Niederflurstraßenbahn "ULF" in Oradea in Rumänien sowie die Lieferung von Metro-Zügen für Oslo. Größter Auftrag war das Kraftwerk Mellach. Sollte der Semmeringtunnel nun doch gebaut werden sieht Ederer große Zukunftschancen für Siemens im Bereich der sicherheitstechnischen Ausstattung und beim rollenden Material.
Im Ausblick hofft Siemens "als Infrastrukturausrüster" jedenfalls auf "ehrgeizige Konjunkturpakete" der neuen Bundesregierung. Die Forschungsförderung solle "zumindest im selben Ausmaß" beibehalten werden, wünscht sich Ederer. Probleme erwartet der Finanzvorstand Pinzer in einigen durch die Krise besonders belasteten Ländern, etwa in der Ukraine, wo einige Aufträge bereits durch Finanzierungsprobleme betroffen seien: "Es gibt aber keinen Flächenbrand".
(APA)
