Im Tal der Viren - das Internet ist ansteckend
Was rund um das Internet alles an Viren herumkriecht, haben wir wegen der Finanzkrise schon ganz vergessen. Dabei verbreiten sich die Dinger inzwischen schneller durch Social Networks als der Schnupfen durch eine U-Bahn.
Ein lieber Freund von mir hat ein Problem mit seinem Namen. Dafür kann er eigentlich nichts. Denn sein Familienname "Koob" ist ihm schließlich per Geburt verliehen worden. Seit es aber Koobface, den Facebook-Virus, gibt, meiden ihn alle "Friends" in sämtlichen Social Networks. Und das mache sein Geschäft in einer Agentur für Social Networking auch nicht gerade einfacher.
Ja, das Internet. Es fordert seine Opfer, denn es ist voller Viren, und wir haben es über den kollabierenden Weltmärkten in den letzten Monaten ein wenig vergessen.
Spiele wie "World of Warcraft" raffen Studenten dahin, auch wenn sie eigentlich gar nicht infiziert sind. Widerliche Anwendungen auf dem iPhone breiten sich aus wie Seuchen.
Bei weiblichen Nutzern zerstört es den Sexualtrieb. Das sagen Untersuchungen. Und die haben ja meistens recht. Und wenn wir schon von Seuchen sprechen: Seitdem BitTorrent weitere 17 Millionen US-Dollar auftreiben konnte und damit vermutlich auch virenartig weiter um sich greift, ist uns klar: Wir verkommen zu einer Ansammlung von trieblosen, medienverseuchten Spielkranken, die sich mit Furzapplikationen auf ihren iPhones beschäftigen.
Dagegen waren die alten Zeiten mit niedlichen kleinen Viren aus dem Boot-Sektor der Diskettenlaufwerke vergleichbar mit einer Bürgerkriegssimulation im nördlichen Waldviertel. Stell dir vor, man greift dich an, und du merkst es gar nicht - bis du tot bist.
Aber außerhalb des Netzes ist es nicht besser: Sogar den puren Tod kann die Technik verbreiten helfen. Durch einen Fingerabdruck, den die mexikanische Regierung von allen Handykäufern verlangt. Was da nicht alles auf die armen Verkäufer an Dreck und Drogen hereinprallt. Man will es sich gar nicht vorstellen. Wir sind es einfach nicht mehr gewohnt, dass wir mit dem ganzen Schmutz direkt in Verbindung kommen. Damit meine ich Hotels, nicht Handys. So kann ein holländischer Hotelbetreiber ungeniert mit Abhärtung werben und sich wenigstens das Reinigungspersonal offiziell sparen.
Zum Jahresende sollten wir dennoch gut gestimmt sein. Vor allem nach so einem Jahr. Viren sind auch lustig, ja natürlich. Sie verbreiten sich als Bilder von Ureinwohnern, die ihrem Herrn und Meister Geschenke darbringen, in Windeseile. Und das wirklich verdammt schnell und verdammt weit.
Und so gesehen wollen wir uns nicht beschweren. Das Internet ist per Definition ein Virus, den sich das amerikanische Militär selbst gesetzt hat. Man denkt eben immer nur an eine Sorte Feinde, wenn es an das Bekämpfen geht. Militärs sind eben meistens Männer, und die können immer nur eine Aufgabe auf einmal erledigen. Haaatschi!
(Harald Taglinger)
