Wikipedia-Spenden bleiben "teuer"
Während Spenden an den Verein Wikimedia in Deutschland von der Steuer abgesetzt werden können, dürfen Spender an den gemeinnützigen Verein Wikimedia Österreich, der die Online-Enzyklopädie Wikipedia und freies Wissen fördert, auch weiterhin nicht mit steuerlichen Begünstigungen rechnen.
Am Dienstagnachmittag lud Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) zu einem Spendengipfel ins Finanzministerium. Geklärt werden sollte, welche Vereine künftig mit der Absetzbarkeit von Spenden rechnen können. Schon vorher war klar, dass etwa der Verein Wikimedia Österreich, der hierzulande freies Wissen und die Online-Enzyklopädie Wikipedia unterstützt, nicht damit rechnen darf, dass Zuwendungen an ihn von der Steuer abgesetzt werden können.
"Wir haben bereits bei unserer Gründung versucht, einen Spendenbegünstigungsbescheid zu bekommen", sagte Wikimedia-Österreich-Mitgründer und Obmann-Stellvertreter Christoph Breitler zu ORF.at: "Das war aber leider nicht möglich."
Detaillierte Angaben zur bisherigen Regelung zur Absetzbarkeit von Spenden finden sich auf der Website des Finanzministeriums.
Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) hat auf dem "Spendengipfel" angekündigt, dass sein Haus bis Mitte Jänner eine Liste der anerkannten Organisationen veröffentlichen wird. Spenden an diese Organisationen werden von der Steuer absetzbar sein.
"Mildtätigkeit" und Wissenschaft
Bisher schrieb die gesetzliche Regelung zur Absetzbarkeit von Spenden begünstigten Verein unter anderem die Durchführung von Forschungsaufgaben oder die Publikation wissenschaftlicher Arbeiten vor. Künftig sollen Zuwendungen auch an "mildtätige" Organisationen sowie für Entwicklungshilfeprojekte möglich sein. Angesichts der Finanzkrise müssten Prioritäten gesetzt werden, sagte der Finanzminister nach dem Spendengipfel am Dienstag.
Wikimedia Österreich, das im Mai 2008 von Autoren der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia gegründet wurde, hat es sich jedoch zum Ziel gesetzt, freie Inhalte wie die Wikipedia sowie den Zugang zu Open Content in Österreich zu erleichtern. "Wir sind nicht an Wissenschaftlichkeit orientiert", so Breitler.
Österreichische Wikipedia-Nutzer spendierfreudig
Die österreichischen Wikipedia-Nutzer gelten jedoch trotz fehlender steuerlicher Begünstigung als spendierfreudig. Im vergangenen Jahr rangierte Österreich unter den Top Ten der Spendenliste bei der Wikimedia Foundation. "Die Leute möchten etwas zurückgeben", meinte Breitler.
Seit Anfang November läuft ein Spendenmarathon der Wikimedia Foundation. Auf das Konto von Wikimedia Österreich wurden seither rund 3.000 Euro überweisen. "Wir sind überrascht, dass so viel zusammen gekommen ist", sagte Breitler: "Im Schnitt werden 20 bis 30 Euro gespendet."
Spenden, die direkt an den Verein Wikimedia Österreich gehen, fließen laut Breitler in Projekte zur Förderung von freiem Wissen. So will der gemeinnützige Verein etwa das Projekt "Wikipedia an Schulen" durchführen, bei dem Schüler und Lehrer über die sinnvolle Verwendung der Wikipedia informiert werden sollen. Auch die Digitalisierung von freien Büchern wolle man mit den Spenden finanzieren, so der Wikimedia-Österreich-Mitgründer.
Absetzbarkeit in Deutschland gegeben
Spenden an Wikimedia Deutschland können seit der Gründung des Vereins im Jahr 2004 steuerlich abgesetzt werden. Die Gemeinnützigkeit des Vereins, die Voraussetzung für die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden ist, werde alle zwei Jahre von den deutschen Finanzbehörden geprüft, teilte Wikimedia-Deutschland-Geschäftsführer Sebastian Moleski ORF.at.
Moleski geht davon aus, dass sich die steuerliche Begünstigung stark auf die Spendierfreudigkeit auswirkt. "Rund 30 Prozent unserer Spender fragen nach einer Quittung für das Finanzamt."
Der Spendemarathon der Wikimedia Foundation läuft noch bis Anfang Februar 2009. Gespendet werden kann auf den Seiten der Wikimedia Foundation ebenso wie bei den österreichischen und deutschen Schwesterorganisationen Wikimedia Österreich und Wikimedia Deutschland.
Seit dem Start des aktuellen Wikimedia-Spendenmarathons Anfang November flossen laut Moleski bereits 190.000 Euro auf das Konto von Wikimedia Deutschland. Weltweit landeten im Zuge der Spendenaktion seit Anfang November bis Dienstagnachmittag rund 3,74 Millionen Dollar (2,72 Mio. Euro) auf den Konten der Wikimedia Foundation.
"Werden das nicht erreichen"
Dass die Absetzbarkeit der Spenden von der Steuer international zu einem höheren Spendenaufkommen führt, glaubt auch Wikimedia-Österreich-Mitgründer Breitler. Mit steuerlichen Begünstigungen für Wikimedia-Österreich-Spender rechnet er in absehbarer Zeit jedoch nicht: "Wir werden das nicht erreichen."
(futurezone/Patrick Dax)
