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Radio für mehr interkulturellen Dialog

COMMUNITY-RADIO
14.12.2008

Was können "partizipative Medien" für die bessere Verständigung zwischen Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen tun? Dieser Frage stellten sich Experten anlässlich der Konferenz Civilmedia08 vergangene Woche in Salzburg.

2008 wurde von der EU zum Jahr des interkulturellen Dialogs erklärt. Die Civilmedia08 lud unter diesem Motto 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 20 Ländern ein, darunter die Moderatorin Shabana Kausar von Radio Salaam Shalom. Das Internet-Radio sendet aus der britischen Stadt Bristol und will den Dialog zwischen Muslimen und Juden fördern.

Salaam und Shalom sind die Wörter für Frieden in Arabisch und Hebräisch. Kausar ist Muslimin und ebenso wenig wie ihre jüdische Komoderatorin eine professionelle Radiojournalistin. Das Team von Radio Salaam Shalom besteht aus "ganz normalen" Menschen, die Radio machen, und das ehrenamtlich. Ihr Ziel ist, Angst und Vorurteile zwischen den beiden Gruppen zu vermindern.

Freie Radios in Österreich

Die erwähnten interkulturellen Radioprojekte sind im Internet nachzuhören:

Radio, das Brücken zwischen den Kulturen schlagen will, gibt es auch hierzulande: Die Freien Radios in Österreich haben das Projekt "Radiodialoge - Stimmen der Vielfalt" ins Leben gerufen. Interkulturelle Redaktionsgruppen aus Menschen mit verschiedenen sozialen, ethnischen und sprachlichen Hintergründen wurden aufgebaut und ausgebildet.

Im Laufe des ersten Jahres produzierten diese ehrenamtlichen Redaktionsteams an die 50 teilweise mehrsprachige Sendungen, die von allen 13 Freien Radios in Österreich ausgestrahlt werden. Alle entstandenen "Radiodialoge"-Magazine sind auf der Online-Plattform des Projekts als Podcast nachhörbar.

Stimmen der Vielfalt

Die "Stimmen der Vielfalt" sollen im kommenden Jahr ausgebaut werden. Zu den bestehenden sechs Redaktionen werden weitere sieben dazukommen, die das wöchentliche Magazin abwechselnd gestalten.

Neben diesen beiden Beispielen wurden im Rahmen der "Civilmedia08" viele weitere partizipative Projekte zum interkulturellen Austausch vorgestellt. Dabei wurde auch deutlich, dass sich bei weitem nicht alle Medieninitiativen in der Lage befinden, sich solch spezifischen Themen zu widmen.

Die Situation in Europa

Programme und Online-Dokumentationen der bisherigen Tagungen, Vorträge und Präsentationen zum Nachhören, Videos, Abstracts usw.:

Die Lage und der Status von Community-Media-Organisationen ist in den europäischen Staaten höchst unterschiedlich. Während in Großbritannien bereits fast 200 Lizenzen an Community-Radios vergeben wurden, gibt es in Österreich gerade einmal 13, die teilweise mit minimaler Finanzierung auskommen müssen. In anderen Ländern kann selbst davon nur geträumt werden.

Medienaktivisten und Wissenschaftlern aus Polen, der Ukraine, Russland und der Türkei berichteten über die Lage der Zivilgesellschaft und ihrer Medien in den jeweiligen Ländern, in denen sich die "Bürgermedien" meist auf das Internet konzentrieren müssen. Und auch dort sind sie teilweise vor Zensur und Repression nicht sicher.

Musterbeispiel für interkulturellen Austausch

Die medienpolitischen wie die vieldiskutierten "kulturellen" Unterschiede sind groß. Die Konferenz selbst war ein Musterbeispiel für interkulturellen Austausch. Von der feministischen Grassroots-Medienaktivistin bis zum Uniprofessor, von Online-TV bis Piratensender, von Schweden über den Kongo, Tschechien und die USA: Menschen verschiedenster Hintergründe mit unterschiedlichsten Erfahrungen und Medientraditionen lernten einander kennen, tauschten Erfahrungen aus und führten Dialoge.

Mehr dazu am Sonntag um 22.30 Uhr im Ö1-Netzkulturmagazin "matrix".

Die Civilmedia fand heuer zum dritten Mal in Salzburg statt und wird von der Radiofabrik - Freier Rundfunk Salzburg gemeinsam mit dem Verband Freier Radios Österreich organisiert. 2009 ist eine weitere Auflage der offenen Konferenz zu partizipativen Medien geplant.

(matrix/Eva Schmidhuber)