Die 24 Internet-Kalendertürchen der Shaolin
Das Ende des Jahres ist die Gelegenheit, den ganzen alten Kram aus dem Netz zu schmeißen, den wir 2009 nicht mehr sehen wollen. Wir zeigen 24 Links zu den mentalen Abstellkammern des Jahres 2008.
Rausschmeißen liegt im Trend. Bei Sony genauso wie anderswo. Aber konzentrieren wir uns lieber auf die Dinge, die man getrost wegwerfen kann. Technik und Dinge. Bei Menschen sollte das eigentlich nicht üblich sein.
Erstes Türchen: Microsoft hat eine Blogging-Software herausgebracht, als Open Source. Das will man doch jetzt wirklich nicht mehr. 2009 bloggen nur noch Mädchen mit Zahnspangen.
Zweites Türchen:
Prost! Über den merkwürdigen Dienst Give Real kann ich anderen in einer Bar einen Drink bezahlen, auf deren Kreditkarte. Eine todsichere Methode, sich von der Thekennachbarin einen Korb zu holen.
Drittes Türchen:
Gut, dass die jemand behalten hat. Eine Website mit alten, sehr alten Computern. So gesehen vermutlich mit sehr, sehr alten Computern. Ich werf mich weg, darauf haben wir mal gearbeitet?
Viertes Türchen: Garantiert das letzte Gerücht zu Apple in diesem Jahr, das wir hier wegwerfen: Apple arbeitet an einer Technik, die uns bald wild in der Luft herumfuchteln lässt. Und dabei wollten wir nur ein Fenster schließen.
Fünftes Türchen: Garantiert das letzte Gerücht zu Google in diesem Jahr. Die Herren mit den bunten Bällen basteln angeblich immer noch oder schon wieder an einem eigenen Betriebssystem. Prima. Angeblich bastelt mein Nachbarshund auch an einem eigenen Knochen. Das muss ich sofort wegwerfen.
Sechstes Türchen: Niemand hört gerne Marissa Meyer zu. Die kommt vom Walde draußen und von Google rein. Sie kann Chrome getrost im Betastatus lassen.
Siebentes Türchen: Bebo von AOL hat einen Relaunch hinter sich und sieht jetzt auch aus wie eine Web-2.0-Site von der Stange. Können wir nicht mehr sehen. Bitte keine runden Ecken und Glanzlichter mehr. Augen zu und weg damit.
Achtes Türchen: Yahoo schließt Ende des Jahres die Ideenschmiede Brickhouse. Schade, aber die kommen sicher alle bei Microsoft unter, seit Ballmer jeden einstellt, der nicht mehr mit "Y" anfängt.
Neuntes Türchen: Es ist zum Weinen. Das Internet ist die Quelle für sehr viel gemeine Musik. Ganz gemein ist auch die Ukulele-Version von While my guitar gently weeps. Der liebe Gott hat uns einen gnädigen Delete-Button auf die Welt geschickt. Danke.
Zehntes Türchen: Seit dem iPhone (wegwerfen, warum nicht, die sind ja so billig inzwischen ...) haben wir lange nichts mehr von Zune gehört. Aber Gerüchte sprechen von einem Zune-Phone. Warum auch nicht? Ich mag Sex mit einer Wärmflasche auch sehr ... übertragen gesagt.
Elftes Türchen: Siehe fünftes Türchen. Man soll nie nie sagen. Schon gar nicht bei Google. Es gibt ja auch das Christkind, den Weihnachtsmann und Jesus, aber niemand kann erklären, wer wie mit wem davon verwandt ist.
Zwölftes Türchen: Man braucht analoge generative Systeme nicht wirklich zum täglichen Leben. Aber bevor man das ganze Geschenkpapier Ende des Monats einfach wegwirft, kann man es hier vielleicht noch einmal wiederverwenden.
Dreizehntes Türchen: Raymond Scott war seiner Zeit weit voraus. Sozusagen der Großvater von Kraftwerk. Es wird Zeit, ihm ein Vinyl-Denkmal zu setzen. Das kann man dann auch wegwerfen.
Vierzehntes Türchen: Etwas ganz Verwerfliches ist die Greener Gadgets Design Competition 2009. Am besten, man schaltet Geräte gar nicht ein. Dann klappt es auch mit dem Energiesparen.
Fünfzehntes Türchen: Die Sachen sind bereits weggeworfen worden, aber ein paar Geschichten darüber sind amüsant.
Sechzehntes Türchen:
Willkommen im Zeitalter des Ethno-Computing. Ohne Blackbird, den Browser für die Afro American Community, ist das Web nicht mehr erträglich. Mit Blackbird ist es das auch nicht. Aber wir freuen uns schon auf den ersten Südtiroler Kompressionsalgorithmus.
Siebzehntes Türchen: Weihnachten ist die Zeit, sich auch in religiöser Toleranz zu üben. Geduld brauchen auch die Bauherren in Saudi-Arabien, die nun abwarten müssen, was Norman Fosters CAD-Assistent mit "dem komischen schwarzen Würfel in der Mitte" anstellen wird.
Achtzehntes Türchen:
Es soll Gerüchte über ein neues Nokia-Telefon ... seufz.
Neunzehntes Türchen: In World of Warcraft hält nun endlich 24 Einzug. Man kann dort jetzt auch foltern. Wunderbar. Waterboarding mit Frodo hat mir schon in Herr der Ringe gefehlt.
Zwanzigstes Türchen:
Twitter schwemmt einem dermaßen viele Freunde an, dass man sie gleich wieder entsorgen möchte. Aber keine Bange, echte sind da ja meist nicht darunter.
Einundzwanzigstes Türchen: Bevor man dieses Jahr noch Videogames wegschmeißen will, wäre ein Blick zum Onkel angebracht. 53 Prozent der Erwachsenen spielen angeblich mit Blick auf einen Bildschirm. Die anderen können ihren Blick vom Wohnzimmerbildschirm nicht mehr lösen. Sie würden sonst auch nur ihren Lebenspartner sehen und erschrecken.
Zweiundzwanzigstes Türchen: Zeit für neue Mobile-Konzepte im Jahr 2009. Telefonieren will ja eh schon niemand mehr.
Dreiundzwanzigstes Türchen:
Die schönsten Logotrends aus dem Jahr 2008 zeigen, dass es schon irgendwo einen Grund dafür geben muss, warum alles inzwischen gleich aussieht. Und das ist auch der Grund, warum man es nächstes Jahr nicht mehr sehen will.
Vierundzwanzigstes Türchen: Und zum Abschluss noch ein kleines Geschenk zum Nachmalen: Das sollen die schönsten 50 Icon-Sets des vergangenen Jahres sein. Wer es nicht glaubt, der soll doch selbst welche zeichnen.
(Harald Taglinger)
