Pölzl wird neuer Chef von T-Mobile Deutschland

FÜHRUNG
26.11.2008

Mit Georg Pölzl übernimmt ein Österreicher das Ruder bei T-Mobile Deutschland. Sein Vorgänger ist wegen des Datendiebstahl-Skandals zurückgetreten, der die Deutsche Telekom auch weiterhin beschäftigt.

Der 51-jährige Österreicher und ehemalige Chef von T-Mobile Austria übernehme am 1. Jänner 2009 den Posten von Philipp Humm, teilte die Deutsche Telekom am Mittwoch in Bonn mit.

Pölzl hatte zu Jahresbeginn 2007 seinen Chefsessel bei T-Mobile Austria an Robert Chvatal übergeben und war zur deutschen Schwester gewechselt.

Führungswechsel bei T-Mobile Austria

Humm hatte vor wenigen Wochen wegen des Diebstahls von mehreren Millionen Handydaten sein Amt niedergelegt und wird sich künftig ganz auf den Vertrieb konzentrieren. Pölzl soll beim deutschen Marktführer für die Bereiche Recht, Datenschutz und Unternehmenssicherheit zuständig sein. Zuletzt war der Manager bei der Deutschen Telekom als Sonderbeauftragter für das laufende Effizienzprogramm zuständig.

Durch die Neuordnung der Bereiche soll das Thema Datenschutz auch bei der deutschen Mobilfunktochter aufgewertet werden. Im Oktober hatte der Mutterkonzern einen neuen Vorstand für Datenschutz eingerichtet und den früheren Chefjustiziar Manfred Balz auf den Posten berufen.

Neuer Datendiebstahlsvorwurf

Mit dem neuen Vorstandsressort reagiert die DT-Führung auf eine Serie von Datenpannen, die den Konzern seit Monaten erschüttern. Derzeit ermitteln Staatsanwaltschaften in sieben Fällen von Diebstahl von Kundendaten der DT. Bei T-Mobile waren 2006 rund 17 Millionen Telefonnummern und Kundendaten entwendet worden.

Vorstandsposten für Datenschutz

Dennoch ist der Konzern aktuell erneut mit einem Datendiebstahl konfrontiert. Wie das Magazin "stern" am Mittwoch aus seiner neuen Ausgabe berichtete, haben sich dubiose Adresshändler und Callcenter Zugriff auf Namen, Adressen, Vertragsdaten und Bankverbindungen von DT-Kunden verschafft. Derzeit würden viele zehntausend Kundenprofile auf dem Schwarzmarkt angeboten.

Laut Deutscher Telekom stammen die Datenlisten nicht aus dem Konzern. "Die Listen wurden offenbar von Dritten aus verschiedenen Quellen zur missbräuchlichen Verwendung zusammengestellt", sagte ein Sprecher. Zwar würden Daten von DT-Kunden von Ende 2006 und Anfang 2007 aufgeführt, "teils aber mit anderen Kontonummern oder Geburtsdaten als bei uns verzeichnet".

4.000 Datensätze betroffen

Die DT werde aber ungeachtet dessen alle Betroffenen anschreiben, sobald die Zeitschrift die Listen mit rund 4.000 Datensätzen übergeben habe, und rechtliche Schritte ergreifen.

Das Magazin berichtete, die Datensätze würden illegal von Vertriebsfirmen genutzt. Betroffene hätten von unerklärlichen Abbuchungen von ihrem Konto etwa an den DT-Konkurrenten Freenet berichtet. Freenet habe mitgeteilt, über eine geraume Zeit mit unseriösen Praktiken von Vertriebspartnern zu kämpfen gehabt zu haben.

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(dpa/Reuters)