15.03.2003

KATAR

Bildquelle: reuters

Im "Internet-Cafe" Krieg führen

Der amerikanische Offizier nennt das Ganze einfach "the brain" - das Gehirn. Gemeint ist die mobile Kommandozentrale der US-Armee im Golfstaat Katar.

"Von hier geht der militärische Befehl zum ersten Schuss im Irak-Krieg aus", meint der junge Mann, dessen Name nicht genannt werden darf. "Und von hier wird der Befehl zur Feuereinstellung ausgehen."

Während er spricht, lächelt er freundlich und verbindlich. Die Möglichkeit, dass die Order zum Waffengang doch noch abgewendet werden könnte, scheint er nicht ernsthaft in Erwägung zu ziehen.

Im Internet-Cafe Krieg führen

"US Central Command Forward Headquarters" ist der offizielle Name des Stützpunkts - vorgeschobenes Hauptquartier der amerikanischen Kommandozentrale.

Auf den ersten Blick handelt es sich um gut 20 klimatisierte Lagerhallen, 20 Kilometer vor der Hauptstadt Doha gelegen - eiligst errichtet, mit hunderten von Rechnern für den "Network Centric Warfare" bestückt.

Herzstück des Stützpunktes ist das "Schaltpult des Krieges", ein Computerraum, von dem Flugzeugeinsätze, Panzeroffensiven und Truppenvorstöße tief im Feindesland gesteuert werden können. "Eigentlich sieht das aus wie ein Internet-Cafe", berichtet der Offizier.

Pressecenter

Von Katar aus soll Vier-Sterne-General Tommy Franks den Krieg steuern. "Unsere Männer sind zum Handeln bereit", lässt sich der General vernehmen.

In einer der Hallen werden auch die Journalisten "versorgt". Nicht allen gefällt die Nähe von Militär und Medien. Reporter dürfen keinen Schritt alleine tun. Nicht einmal die Wachen dürfen gefilmt werden. Zu groß ist die Angst vor Attentaten. Selbst die knapp 100 Meter vom Eingang des Stützpunkts zum Pressezentrum müssen Journalisten in Begleitung von Soldaten in einem Bus zurücklegen.

Fünf große Schirme stehen in einem Presseraum, über die Journalisten mit Bildern vom Krieg versorgt werden sollen. Zwei kleine Stehpulte sind daneben gestellt. Wenn die ersten Bomben einmal gefallen sind, will Franks oder ein Stellvertreter hier täglich Lageberichte geben.

Erstaunlich allerdings: Über 1.000 Journalisten haben sich bereits bei den Amerikanern in Katar angemeldet, doch der Presseraum hat Platz für höchstens 100 Leute. "Alles andere würde unsere Kapazitäten übersteigen", meint einer der Soldaten.