"Alle Erwartungen übertroffen"

Mobilfunk
10.11.2006

Eine Expertenrunde lässt zehn Jahre Telekom-Liberalisierung in Österreich Revue passieren.

Auf Einladung des zweitgrößten heimischen Mobilfunkanbieters T-Mobile zogen am Donnerstagabend Experten aus Wirtschaft und Politik zu zehn Jahren Telekom-Liberalisierung in Österreich Bilanz.

Den Siegeszug der Mobiltelefonie hätte damals niemand erwartet und alle - zur damaligen Zeit nicht gerade vorsichtig definierten - Businesspläne seien um den Faktor zehn übertroffen worden, sagte T-Mobile-Chef Georg Pölzl.

"Informationsgesellschaft"

Überrascht von der Entwicklung zeigte sich auch der ehemalige EU-Telekom-Kommissar Martin Bangemann.

Man habe eine "Informationsgesellschaft" schaffen wollen, die den Menschen den Alltag erleichtere. Dabei sei man allerdings auch auf erheblichen Widerstand in den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten gestoßen, da es immer schwierig sei, "Grundversorgung zu liberalisieren".

"Wünsche nicht erfüllt"

Bangemann musste eingestehen, dass sich gewisse Wünsche der EU-Kommission in puncto Mobilfunk nicht erfüllt hätten. So habe man sich etwa einen großen europäischen Markt mit großen integrierten Unternehmen erwartet, die Hardware, Dienstleistung und Infrastruktur aus einer Hand anbieten. "Das ist nicht eingetreten", so Bangemann. Auch seien die hohen Erwartungen in UMTS nicht eingetroffen.

UMTS-Lizenzkosten zu hoch

Das bedauerte auch Albert Hochleitner, Aufsichtsratschef bei Siemens Österreich. Die Lizenzkosten seien zu hoch gewesen, die Branche sei noch immer auf der Suche nach der "Killerapplikation", sagte Hochleitner.

Zurückhaltung bei Roaming-Regelung

Beim Stichwort Roaming [Auslandstelefonate] sprach sich Bangemann gegen eine zu große politische Einmischung seitens der Wettbewerbshüter aus. "Eine Regelung macht die positiven Effekte des Wettbewerbs zunichte", gab er zu bedenken.

Pölzl verwies seinerseits auf die freiwillige Reduktion der Betreiber, die zu einer "signifikanten Preisreduktion" führen soll.

In einer europaweiten Umfrage sprachen sich vor kurzem 68 Prozent der Befragten für eine Senkung der Roaming-Entgelte durch die EU aus.

Zukunftswünsche

Auf die Frage, ob das Festnetz noch eine Zukunft habe, antwortete Hochleitner, dass die reine Sprachtelefonie immer mehr mit dem Handy bewerkstelligt werden wird, Chancen böten die vorhandenen Kupferleitungen hingegen für verschiedene Arten der Datenübertragung.

Bangemann wünscht sich für die kommenden Jahre, dass die "Informationsgesellschaft in ihrer Breite verwirklicht" wird.

Pölzl rechnet für die Zukunft mit einem einheitlichen europäischen Preisniveau.

Auch technisch soll sich einiges ändern - Verbesserungen beim Customer-Interface, der Spracheingabe und der -ausgabe werden angedacht. Zusätzlichen Aufschwung sollen auch neue Zusatzdienste bringen, genauso wie die Weiterentwicklung der Internet-Zugänge.

(APA)