Taiwan als Messeprimus auf der Cebit
Taiwan stellt mit 655 Anbietern auch in diesem Jahr wieder die stärkste Zahl an ausländischen Ausstellern auf der Cebit.
In elf Pavillons im auffälligen orange-anthrazitfarbenem Design zeigen die Taiwanesen ihr Angebot von Digitalkameras, Notebooks über Geräte und Zubehör für die drahtlose Kommunikation bis hin zu Handys auf etwa 20.000 Quadratmeter Fläche.
"Von der reinen Zahl her vertreten wir zehn Prozent aller Aussteller. Gerade in der Krise muss man in der IT-Branche antizyklisch werben", sagt Dieter Neumann, der bei der Deutschen Messe für Taiwan zuständig ist.
Gesunken ist dagegen das Interesse von Anbietern aus den USA, die mit 247 die zweitgrößte Gruppe aus dem Ausland ausmachen.
Allerdings ist der bloße Blick auf die Zahlen teils irreführend: Denn US- Computerunternehmen wie Microsoft, IBM und der Technologiekonzern Lucent melden sich in der Regel über ihre europäischen Niederlassungen in Hannover an und werden dann diesen Ländern zugeordnet.
Cebit: Gemischte Gefühle am ersten MessetagImpulse aus den USA
"Der Rückgang hat einmal konjunkturelle Gründe, auch die Irak-Krise spielt eine Rolle. Wenn man aber mit den technologischen Inhalten argumentiert, sind die USA weiter mit der wichtigste Aussteller", erläutert Joachim Schäfer, Geschäftsführer der US-Tochtergesellschaft der Deutschen Messe AG.
"Außerdem kann Taiwan vom eigenen Markt nicht leben im Gegensatz zu den USA und Kanada mit ihrem riesigen Binnenmarkt."
Taiwan-Vertreter Neumann will diesen Einwand nicht gelten lassen. Nach seinen Angaben verfügen die Anbieter des Inselstaats [24 Millionen Einwohner] über einen attraktiven eigenen Markt: Die Handydichte erreiche mittlerweile 106 Prozent, die Taiwanesen seien technikbegeistert und kaufkräftig. Gemessen am Export sei das Land weltweit der viertgrößte Lieferant in der IT- und Computerbranche. Elektrotechnik und Elektronik sind die größten Devisenbringer des Inselstaats.
China auf Expansionskurs
Auch der große Nachbar, die Volksrepublik China, ist stärker auf der Cebit vertreten: Die Zahl der Aussteller hat sich von 63 im Vorjahr auf 114 nahezu verdoppelt [rund 2.200 Quadratmeter Fläche]. Auch hier handelt es sich um kleine und mittlere Firmen.
"80 Prozent der Standard-Software stammen heutzutage aus den USA. Aber die Asiaten holen ganz stark auf und sind bei wichtigen Bauelementen führend", sagt Bernhard Rohleder, Vorsitzender der Geschäftsführung des Branchenverbands Bitkom.
Auch die Deutsche Messe AG will sich auf dem aufstrebenden asiatischen Markt etablieren: Auf der dritten "Cebit Asia" in Shanghai werden im September rund 600 Firmen und 75.000 Besucher erwartet.
Von Taiwan aus werde die lohnintensive Fertigung bestimmter Bauteile wie Tastaturen inzwischen in die Volksrepublik ausgelagert. "Die Volksrepublik ist noch eine Stufe zurück, aber die Computerindustrie spielt in der heimischen Wirtschaft eine zunehmende Rolle. So werden Fertigungskapazitäten rasant ausgebaut", erklärt Rohleder. Nach Angaben des Verbands investieren führende IT-Konzerne seit mehreren Jahren massiv in China, um im Reich der Mitte mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern präsent zu sein.
