"Recycling auf Basis von Diebstahl"
Der Hamburger Journalistik-Professor Siegfried Weischenberg geißelt die Nutzer-Bewirtschaftung auf kollaborativen Websites.
Viele neue Medienangebote im Internet gelten nach Weischenbergs Ansicht zu Unrecht als Gratisleistungen. Zum Auftakt des 11. Mainzer Medien-Disputs sagte er am Donnerstag: "Man tut, als wenn die Inhalte vom Himmel fallen würden." Tatsächlich sei ein großer Teil des Web-Angebots nichts anderes als ein "Recycling auf der Basis von geistigem Diebstahl".
Gerade erst habe der Verkauf der Internet-Plattform YouTube an den Branchenriesen Google gezeigt, dass "mit den Gratisbeiträgen von Laien am Ende das große Geschäft von wenigen Profis gemacht wird". Spätestens wenn Google irgendwann auch noch die von Amateuren aufgebaute Internet-Enzyklopädie Wikipedia übernehmen sollte, "wird auch dem Letzten klar werden, dass an den schöpferischen Leistungen vieler einzelner Idealisten am Ende - wenn überhaupt - immer wenige andere verdienen, die nicht so altruistisch sind".
Unter Wasser mit YouTube
Insofern sei das viel diskutierte Web 2.0, von dem sich viele Unternehmer einen neuen Internet-Boom erhoffen, "ein interaktives U-Boot, das nur hin und wieder auftaucht und in Form von gewaltigen Transaktionen zeigt, was in der Zwischenzeit unter Wasser so alles passiert ist".
Beim Mainzer Medien-Disput diskutieren einen Tag lang mehrere hundert Journalisten, Medienmanager, Wissenschaftler und Politiker im ZDF-Konferenzzentrum über das Dachthema "Kommerz auf allen Kanälen - vor der digitalen Revolution".
(dpa | futurezone)
